01.09.2010

Typisch Kafka!

Staude Franz Kafka Neulich im Klostergarten Seligenstadt: Überall blüht, sprießt, duftet und wächst es. Die Pflanzen stehen in voller Pracht, zeigen ihre sommerlichen Farben und Früchte. Nur die Staude “Franz Kafka” bequemt sich noch nicht einmal dazu, sich oberirdisch blicken zu lassen, geschweige denn im Farbenreigen mitzumachen oder eine Blüte zu präsentieren.

In gut Alfred-Brehmscher-Manier sei deshalb hiermit statuiert: Die Staude “Franz Kafka” ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein mißmutiges Knollengewächs, dass nur an Regentagen eine graue Blüte enthüllt. Die modrig riechenden Blütenblätter fasern zum Rand hin aus und werden nur selten von Spannern und Motten besucht.

So isses im Pflanzenreich.

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29.07.2010

Loveparade – Die gestaute Naturgewalt

Joachim schreibt in seinem Nachruf auf die Loveparade in der NZZ:

Umschlag des Deutungsmusters

Es fällt auf, dass im Moment ihrer Duisburger Katastrophe diese biologische Sicht durch eine soziophysikalische ersetzt wurde: Die Masse erschien nun als Naturgewalt, schwer zu lenken, kaum ansprechbar (man traute den Teilnehmern nicht einmal zu, einen frühzeitigen Abbruch der Parade verständig hinzunehmen), ein Strom, gefährlich wie ein Fluss in Hochwasserzeiten, im Tunnel kanalisiert und ohne Rückhaltebecken, wie es in Berlin mit dem Tiergarten zur Verfügung gestanden hatte. Festhalten muss man, dass die Love Parade weder an Alkohol noch an Designer-Drogen oder zu lauter Musik zugrunde gegangen ist, sondern daran, dass man aus der bewegten eine gestaute Masse machen wollte, eingezäunt und eingeengt in eine Arena, als handle es sich bei dieser Feier, die doch der tänzerischen Freiräume bedarf, um den Besuch eines Fussballspiels. Als die Love Parade starb, war sie nicht sie selbst.

Quelle: Joachim Güntner: Bei ihrem Tode war sie nicht sie selbst. Ein Nachruf auf die Love Parade. NZZ v. 29.7.2010.

Bleibt zu hoffen, dass die hoffnungslos dummen Macher des Mottos “Dance or Die” ebenfalls etwas für die Zukunft gelernt haben.

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11.07.2010

Lutetia ist ein Alesia – großartig

Hmmm, vielleicht doch eine etwas kryptische Überschrift, nur zugänglich für Asterix-Freunde oder Historiker. Aber wie auch immer: da fliegt die ESA mit Rosetta endlos durchs All, ist nach der augenblicklichen Planung insgesamt 10 Jahre unterwegs, hat dabei dreimal an der Erde, 1 mal am Mars Schwung geholt und nimmt gewissermaßen en passant den Asteroiden “Lutetia” auf.

Und was bietet sich dem mitgeführten Kameraauge dann? Wahrscheinlich ein großartiger wissenschaftlicher Gewinn, aber für den Ästheten ein Alesia, ein sandiger Käse, ein Art 130 km langer Riesen-Morbier, der da draußen rumschwebt:

lutetia

Obwohl, wenn man sich die Bilder der ESA genauer anschaut, dann kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, und wer wer weiß, was ein Lichtenberg, ein Kepler oder Hubble für solche Bilder hergegeben hätte: einen Arm, ein Bein, ein Auge? Wer weiß.

Toll.

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08.07.2010

Ach ja, bayerische Wirtshäuser…

Die Zeiten werden für euch ja immer moderner: die Leute wollen plötzlich eine freundliche Bedienung, gesundes Essen (Fitness-Essen! Oder sogar, horribile dictu: vegetarisches Essen).

Dann plötzlich sollen “Events” her.

Und jetzt auch noch – versteh einer die Welt – gute Luft! “Ja, wos is denn des, des ham ma noach nie g’habt…!”, werdet ihr sicher sagen (natürlich in korrektestem Bayerisch und nicht in meiner verhunzten lautmalerisch-preußischen Annäherung).

Und irgendwann, da werden auf euren holzigen Wirtshaustischen kleine Monitore stehen, auf den Willkommensbotschaften laufen, auf denen über die Geschichte des Hauses berichtet wird, die Wirte sich vorstellen, man seinen Facebook-Account checken und man sich alle Essen auf einem drehenden Teller anschauen kann. Und da hätten wir vorab schon mal eine Idee für euch. Und das Beste: Völlig kostenlos überlassen wir euch diese Idee, die man ja (macht euch zur Spitze der Bewegung!) auch auf einem kleinen Monitor am Eingang abspielen kann:

John Waters: Smoking

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07.07.2010

Fritz Teufel ist tot

Schnüff, der große Fritz Teufel ist tot (und die taz widmet ihm einen schönen Nachruf).

Fritz Teufel, das ist der, den wir doch eigentlich zum Bundespräsidenten hätten wählen müssen (aber der Bundespräsident wird ja nicht gewählt).

Und das ist der, der mit seiner Entgegnung “Wenn’s der Wahrheitsfindung dient” (nach einer Aufforderung durch das Gericht, sich zu erheben) ganzen Generationen klargemacht hat, dass auch Autoritäten veralbert und ganz leicht von ihrem hohen (Schlacht-)Ross geworfen werden können.

Dass wir ihm außerdem zum langweiligen Alibi auch das viel bessere B-libi verdanken, sei nur nebenbei vermerkt.

Ein Großer ist weg und was haben wir stattdessen: seitenscheitelige Klassensprecher (hörig ihrer Mutti), die uns “repräsentieren” sollen. Mal sehen, wie das wird und wie das endet.

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02.07.2010

Schöne Doku: Surf now, Apocalypse later

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29.06.2010

Die heilige Submarie – Ölquelle während der WM versiegt

Das Schöne an der sprudelnden Ölquelle im Golf von Mexiko ist ja, dass sie während der Fußball-Weltmeisterschaft urplötzlich versiegt ist.

Man weiß noch nicht genau, ob es sich um ein Wunder, eine Art submarine Marienerscheinung,1 eine schlichte PR-Maßnahme von BP oder das Eingreifen des – immer gerechten, siehe die spät aber zuverlässig kommende Rache des quasi zombiemäßig wiederkehrenden Wembley-Tores – Fußballgottes handelt.

Auf jeden Fall genießen wir Fußball lieber mit einem kühlen Apfelwein – ohne Sprudel.

  1. Wobei hier der schöne Gleichlaut zwischen Marien und Marine fast zu einer submarien Erscheinung verleiten könnte… []

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28.06.2010

Freakshow Bundesversammlung

Freakshow Bundesversammlung

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