04.02.2010

Ganz so leicht scheint die Sache in Afghanistan nicht zu sein

Während hier die Politiker u.a. aus versicherungsrechtlichen Gründen nur von “kriegsähnlichen Zuständen” daherreden, sieht man an anderer Stelle die Realität härter und unerbittlicher, wenn auch leider nur aus Sicht der Invasoren:

Battle for Hearts and Minds Trailer from Danfung Dennis on Vimeo.

(Und bitte nicht wieder neunmalkluge Kommentare von Ästhetisierung, falsche Perspektive o.ä. Ich denke nicht, dass das hier beschönigend daherkommt, trotz des Stills am Anfang mit “Soldaten vor Sonneuntergang” (Aufgang für die Optimisten), den markigen Worten von wegen “we change history” und harten Kerlen. Das hier zeigt doch deutlich, dass hier die falschen Leute am falschen Platz sind.)

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03.02.2010

Luciferase

Neues aus der Kategorie “Ach, denk mal an…”.

Aus lauter Frühlingsgefühlen (der Schnee schmilzt, das Licht ist langsam wieder ausreichend und zu allem Überfluß zwitschern die Vögel (die richtigen, nicht die Twitterer) so, als ob der Frühling schon vor der Tür steht) im “Neugierigen Gärtner” von Jürgen Dahl gelesen.
Jürgen Dahl, das war jener mutige und dazu noch gut schreibende Gärtner, der offenbar so gut wie alles in seinem Garten gekocht oder gebraten, auf jeden Fall gegessen hat, was nicht bei 3 auf den Bäumen oder eben einfach kein Baum war und eben auch im “Stinkegarten” (so ein Buchtitel) stehen konnte. Also Blätter, Blüten, Wurzeln und was es sonst noch so an Pflanzenteilen geben mag: alles rein in den Topf und abgebissen. Nun, steinalt ist er damit leider nicht geworden, aber er hat großartige, nachdenkliche und vor allem ruhige Bücher über das stille Glück des Gärtners und Pflanzenliebhabers geschrieben.

Und was lese ich da: der Stoff, der die Glühwürmchen zum Glühen bringt, heißt “Luciferase”. Wie schön, das so kleine Tierchen auch etwas vom Teufel in sich haben. Oder ist der Teufel gar nicht Luzifer? Liebe Bibelfeste, geht voran und leistet wenigstens einmal im Leben Aufklärung, die Kommentarfunktion ist geöffnet.

Und was hat Jürgen Dahl sonst noch so gesagt?

Wir hegen den Garten und der Garten hegt uns – aber was von weitem aussieht wie eine Idylle, ist in Wahrheit der verzweifelte Versuch, ein winziges Stück Erde aus dem großen Krieg gegen die Natur herauszuhalten. Nicht die Flucht ins kleine Glück also, sondern Widersetzlichkeit, Partisanentum.

Eben.

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03.02.2010

Lieber ACE… Oder: Risiko Baum

Risiko Baum, Infografik des ACE über die Häufigkeit von Autounfällen mit Bäumen in DeutschlandLieber ACE,
wir wissen Dich als Automobilclub durchaus zu schätzen, hast Du uns doch mal aus einer unangenehmen Situation befreit und unsere alte Karre souverän vor dem völligen Zusammenbruch bewahrt, irgendwas mit geplatzten Kühlleitungen etc. etc.

ABER, lieber ACE, Schwachsinnn wird nicht entschuldigt! Dummheit auch nicht (siehe den vorherigen Blog-Beitrag) und dreiste Ignoranz und Tatsachenverdrehung ebenfalls nicht. Deine “Info-Grafik” zu Baumunfällen ist wirklich so ein hanebüchener Unsinn, so eine bodenlose Frechheit gegenüber den schönen, oft seit mehr als hundert Jahren einfach nur dastehenden Bäumen (die uns als Allee übrigens noch zehnmal besser gefallen als einfach nur so einzeln dastehend oder als sog. “Wald”), dass wir jetzt unserer Empörung – gewissermaßen an Baumes statt – Luft machen müssen.

Denk doch einfach mal kurz nach:

Ergo und als Conclusio und aber auch horribile dictu: sind das nicht alles eigentlich AUTOunfälle und keine Baumunfälle?

Denk doch bitte bitte bitte nochmal nach, bevor Du das nächste mal “Info-Grafiken” erstellst. Keine Angst, wird schon klappen mit dem Nachdenken.

Ach ja: dass die Zahlen vom Statistischen Bundesamt stammen, lässt uns auch nicht besser und optimistischer an diese Republik glauben…

Quelle der Grafik: ACE. Herausgeber: ACE Auto Club Europa. Copyright: ACE-Pressestelle.

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03.02.2010

Schopenhauer über die Menschen und die Hunde

Denn, wie die meisten Menschen einerseits keinen Ueberfluß am Gelde haben, sondern knapp das Nothdürftige; so auch andrerseits nicht am Verstand. Sie haben dessen knapp so viel, wie zum Dienste ihres Willens, d.h. zur Betreibung ihres Erwerbs, ausreicht. Dies gethan, sind sie froh, maulaffen zu dürfen, oder sich an sinnlichen Genüssen, auch wohl an kindischen Spielen zu ergötzen, an Karten, an Würfeln, oder auch sie führen mit einander die plattesten Diskurse, oder sie putzen sich heraus und machen dann einander Bücklinge. Schon Derer, die einen ganz kleinen Überschuß intellektueller Kräfte haben, sind Wenige. Wie nun Die, welche einen kleinen Überschuß am Gelde haben, sich ein Plaisir machen; so machen auch diese sich ein intellektuelles Plaisir. Sie betreiben irgend ein liberales Studium, das nichts abwirft, oder eine Kunst, und sind überhaupt schon eines objektiven Interesses in irgend einer Art, fähig; daher man auch ein Mal mit ihnen konversiren kann. Mit den Andern hingegen ist es besser, sich ncht einzulassen: denn mit Ausnahme der Fälle, wo sie gemachte Erfahrungen erzählen, aus ihrem Fache etwas berichten, oder allenfalls etwas von einem Andern Gelerntes beibringen, wird was sie sagen nicht des Anhörens werth seyn; was man aber ihnen sagt, werden sie selten recht verstehn und fassen, auch wird es meistens ihren Ansichten zuwiderlaufen. Balthazar Gracian bezeichnet sie daher sehr treffend als hombres que no lo son, — Menschen, die keine sind. Für das Bedürfniß aufheiternder Unterhaltung und um der Einsamkeit die Oede zu benehmen, empfehle ich hingegen Hunde, an deren moralischen und intellektuellen Eigenschaften man fast allemal Freude und Befriedigung erleben wird.
Indessen wollen wir überall uns hüten, ungerecht zu werden. Wie mich oft die Klugheit und bisweilen wieder die Dummheit meines Hundes in Erstaunen gesetzt hat; nicht anders ist es mir mit dem Menschengeschlechte gegangen.

Schopenhauer, Arthur: Den Intellekt überhaupt und in jeder Beziehung betreffende Gedanken. In: Parerga und Paralipomena Zweiter Band, Werke Bd. V, S. 82.

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26.01.2010

Ein Land verstehen in 6 Minuten

Zwischen Vier und SechsEin sehr schöner 6minütiger Kurzfilm von Corinna Schnitt (nomen est omen), viel besser als alle anderen Filme über Deutschland von irgendwelchen Staregisseuren: Zwischen Vier und Sechs. Man beachte, auf welchem Wege am Ende des Films die Straße überquert wird: “weil man ja schon Wege zurücklegt”.

Pril reicht schon.

Aha.

Und sogar die Nachbarn helfen.

Liebe Außerirdische: wir sind nicht alle so, aber: bitte, bitte nehmt mich mit.

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26.01.2010

Rückfortschritt

Wir sind ja kein kleescher Angelus Novus, aber manchmal tut ja auch uns ein Rückschritt gut: hier nun wieder der Blog im vorherigen, also irgendwie ja doch alten Design.

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19.01.2010

Die Schlauheit von Amazon ist wirklich beeindruckend

Ein Bekannter bekam folgende schöne E-Mail von Amazon:

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16.01.2010

Lehrreiches Feature über unseren Staat

Es ist nicht nur eine Lehrstunde für alle, die “nichts zu verbergen haben” (aber warum leben die dann nicht mit einem schönen großen Schaufenster zur Straße hin in einer Ladenwohnung?), die gerne wie Schwerverbrecher bei Reisen Fingerabdrücke von sich nehmen lassen, die sich mit Begeisterung über “mehr Sicherheit” nacktscannen lassen und auf Facebook ihr Privatleben mit einem lockeren “Hallo Welt!” präsentieren.

Es ist vielmehr auch für alle Kritikaster, die schon immer ‘nach drüben’ gehen sollten (und man wusste nie, ob jene ihnen wirklich nur die DDR oder nicht doch gleich ‘die andere Seite’ antun wollten), für alle Weltabgewandten, alle in geistiger Klausur und öffentlicher Abstinenz Lebenden überaus lehrreich, erhellend und schockierend, was der Staat mit uns, seinen Bürgern macht, wie er sich benimmt, wie ignorant er gegenüber unseren Grundrechten ist, wie er in seiner Parallelwelt der “Aktenzeichen” lebt und dabei das Recht, das Maß, die Verhältnismäßigkeit und oft genug sogar den gesunden Menschenverstand vergißt.

Beim Deutschlandfunk gibt es das Feature “Kafka, Kanzler und da knackt nichts” (Sendezeit: 12.01.2010 19:15, Autor: Siemann, Holger, Länge: 43:29 Minuten) zum Anhören und zum Download (und vielleicht ja sogar zum Weiterverausborgen an Freunde, denn eigentlich sollten das ALLE hören und sich danach fragen, ob sie richtig gewählt haben und was zu tun ist.

Einfach hier klicken und im Browser “Sichern als” oder “Seiteninhalt sichern als…” aus dem Ablage-Menü wählen, schon hat man eine schöne MP3-Datei zum Weitergeben an Freunde und zum Wiederanhören.

Das Feature zum Nachlesen gibt es hier: Kafka, Kanzler und da knackt nichts. Aus dem Inneren eines Überwachungsstaates. Von Holger Siemann. Ein Ausschnitt aus dem Feature-Text:

O-Ton: Ströbele (Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundes für die Geheimdienste)
Nein, also wir scheitern häufig auch daran, dass wir einfach gar nicht die Zeit haben, auch ich nicht, all die Akten zu lesen, die wir dann zur Verfügung gestellt bekommen. Das sind ja nicht, das ist ja dann nicht ein kleiner Hefter, sondern zehn, fünfzehn Leitz-Ordner, wann soll ich denn das alles lesen? Dazu muss ich ja dann auch immer in den Geheimschutzraum gehen, also kann ich das auch nicht nebenher hier im Büro erledigen.
Erzähler:
Während in den USA nach dem 11.September nur 0,5 Abhörungen auf 100 000 Einwohner kommen, sind es in Deutschland 15, also das Dreißigfache3! Fehlt es uns an demokratischer Tradition? An heilsamem Misstrauen gegenüber einem heimlich wirkenden Staat?
O-Ton: Bernhard
Es ist so, dass man informiert werden muss, wenn so eine Abhörmaßnahme beendet werden muss, also man muss als Betroffener nicht sozusagen während der Maßnahme informiert werden, aber nach ihrem Ende. Und da ich nicht informiert wurde, gehe ich davon aus, dass das noch läuft.

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