Ja, diese Welt ist die beste aller Welten, denn es gibt Geschichten wie diese. Ich will gar nicht erst versuchen, die amourösen Abenteuer des britischen Innenministers David Blunkett (57) in Gänze nachzuvollziehen. Nur so viel: der aus einer bitterarmen Sheffielder Arbeiterfamilie stammende blinde Innenminister verliebt sich in eine 13 Jahre jüngere Frau namens Kimberly Quinn, deren Eltern ein New Yorker Finanzmann und ein Hollywoodstar waren. Sie wird als lebensfroh und umgänglich beschrieben, “wollte schon immer wissen, wie ‘es’ eigentlich mit einem blinden Mann sei” und ist Frauchen für einen Terrier. Er hat sich schon als Student bei der BBC über zuviele nackte Körper im Fernsehen beschwert (erst als er die Einladung zu einer Fernsehdebatte annimmt, bemerkt man, dass er blind ist). Die amour fou der beiden dauert dreieinhalb Jahre, in denen die Dame zwei Kinder bekommt. Ihrem Ehemann, der übrigens Chef der Vogue ist, kam das nicht spanisch vor, obwohl die FAZ süffisant anmerkt: “Der ist inzwischen 60 Jahre alt und war erstaunlich lange überglücklich, dass seine Frau imstande war, ihm ungeachtet seiner früheren Vasektomie zwei Kinder zu schenken.”
Das schönste an der ganzen Geschichte kommt aber noch. Bernhard Heimrich schreibt weiter in der FAZ:
Warum nur hat er seinem Hund nicht geglaubt! Sadie, Blunketts Blindenhund, hatte Frau Quinns Terrier von Anfang an nicht leiden können. Als nicht einmal die übliche Behandlung beim Tierpsychiater half, musste man Laszlo, den Terrier, in ein Hundeasyl weggeben. Aber schon Sadies Vorgänger muss ein hnliches politisches Gespür gehabt haben. Als im Unterhaus einmal Blunketts konservativer Widersacher die Stimme hob, um den Minister zu kritisieren, erbrach der Hund sich vor der Regierungsbank. In einem Land, in dem der Tierschutzverein mehr Mitglieder hat als alle politischen Parteien zusammen, ist das ein Votum von Gewicht.