Warum wird es der dänischen Zeitung “Se & Hřr” arg übel genommen, wenn sie als Titelfoto und im Heft Aufnahmen verwester nackter Leichname an einem Strand in Thailand zeigt (wie gestern und heute überall nachzulesen war), gleichzeitig aber das Kämpfen, Ermorden, Töten und Sterben im Kino, allerdings vor allem in ästhetisierter Form, fröhliche Urständ feiert und Lobgesänge erhält? Liest man die Telepolis-Rezension des Films “House of Flying Daggers” (Haus der fliegenden Dolche) unter dem Titel “Romanze aus Seide, Blut und Bewegung”, kommen einem doch arge Zweifel an der Beurteilungsfähigkeit solcher kulturellen Phänomene.
Ein kleines Experiment. Wir stellen die Abbildung zweier US-Soldaten im Irak neben eine Passage aus der Rezension:

Alles hier ist Geste, ist das Streben nach Absolutheit im Moment, und nirgendwo sind “uns” diese Figuren fremder, als in der Beiläufigkeit, mit der sie ihr eigenes Leben zu opfern bereit sind. Dies können sie nur, weil sie die Idee der Hoffnung durch die der Haltung ersetzt haben, die Geschichte durch das Jetzt und Hier.
Ein weiteres asiatisches Schlacht-Epos (warum liegen eigentlich im Deutschen “Schlacht” und “schlachten” nur phonologisch, aber nicht semantisch so eng beieinander?) , über dessen Problematik und Kritiker (ja, ja, hierzulande ruft man dann einfach mal “Riefenstahl!”, dann kann man sich den Rest sparen) sich der Telepolis-Rezensent allerdings etwas zu leichtfüßig hinweg setzt. Aber wahrscheinlich hängt er, wie die Darsteller in den albernen Asien-Schmonzetten, einfach nur an einem Seil.