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So ruhig war es noch nie

Aaaah, wie ekelerregend sind Touristen, die an einem Strand sitzen, wenn wenige Kilometer entfernt Leichen im Wasser dümpeln und die Überlebenden der Flut gegen aufkommende Seuchen ankämpfen?
Aber ist es nicht immer das Wesen des Tourismus gewesen, in fremde Länder zu fahren, sich das Elend in Indien, Nepal, Tibet, Kenia, Nigeria, Südafrika oder wo auch immer anzuschauen (oder es zu ignorieren oder auch mit zu produzieren, wie beim Sex-Tourismus) und dann eben wieder nach Hause zu fahren? Das alles von einfach strukturierten Menschen immer und auch jetzt wieder mit dem Argument “Wir helfen denen doch nur” gerechtfertigt, von Studiosus-Reisenden verbrämt unter dem fadenscheinigen “Man-muß-das-mal-gesehen-haben”-Mäntelchen und mit der angeblichen “Horizonterweiterung” gerechtfertigt?
Wie ist das denn dann jetzt nach dem Tsunami und mit dem exponentiell gewachsenen Elend, sollen jetzt alle Männer der Welt nach Asien reisen und den dortigen Menschen helfen, in dem sie dort mit den Frauen und Kindern der Einheimischen schlafen?
Ist das Geld der bisherigen Thailand-Touristen nicht vor allem in die Etablierung einer ganzen Region als globalen Billig-Puff geflossen und begreift man erst jetzt, das man dem Land mit nachhaltiger Entwicklungshilfe oder eben tatsächlicher “Entwicklung” besser geholfen hätte als mit den Geldscheinen, die man Tänzerinnen in Bars zusteckte oder den zur Verfügung gestellten Kindern nach getaner ‘Arbeit’ gegeben hat?

Im Telepolis-Artikel zur Mediendiskussion über Touristen im Katastrophengebiet heißt es abschließend:

Ausgeblendet wie sonst die Schattenseiten, die seit jeher zum Paradies gehören. Denn die Hölle ist dort nicht erst mit dem Tsunami eingezogen. Ein Indiz dafür wäre der Sex-Tourismus. Er hat die Entwicklung der Strände zwischen Sri Lanka und Thailand von Anfang an begleitet. Nicht als Gegenpol des “hellen” Massentourismus. Sondern als dessen integraler Bestandteil.

Und an anderer Stelle: “Tatsächlich kommen nicht wenige ins Schwärmen. ‘So ruhig war es noch nie.’ Der Traum vom leeren Strand mag nun für manch einen in Erfüllung gehen.”

Viel Spaß beim Urlaub.

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  • Motti

    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

    Schlechtes Benehmen halten die Leute nur für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. (Klaus Kinski)

    I cannot persuade myself that a beneficent and omnipotent God would have designedly created parasitic wasps with the express intention of their feeding within the living bodies of Caterpillars. (Charles Darwin)

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