Dietmar Dath räsonniert über das bemühte Deutsch von Pop-Bands wie Juli, Mia, Wir sind Helden, Virginia Jetzt!, über die Bestrebungen für eine Deutsch-Quote im Radio und die armseligen Bemühungen des Deutsch-Pops, ein höheres Niveau als der althergebrachte Deutsch-Pop, die Volksmusik, zu erreichen. Der Artikel ist so gut, dass man ihn ganz lesen muß, aber hier ein paar schöne Zitate:
Die Gezwungenheit der Verse, das dumpfe Kalkül der Erfolgsmasche, die schafsbrave Provokation mit dem Germany-Gehabe sind das eine. Das andere aber ist ein durchaus anerkennenswertes Kunstproblem, auf das der zitierte Ramsch wohl antworten will: Hilft gegen den schlechten Akademismus, der aus den lyrischen Avantgarden des zwanzigsten Jahrhunderts gerade in Deutschland verschärft hervorging, von epigonalem Celan-Kitsch bis zu konkretistischer Dürre, nicht eventuell wirklich eine Wiedervermündlichung des Lyrischen, ein neues und neuestes Singen?
[...]
Die neuen Formen von Protektionismus und Nationalchauvinismus, die als Reaktion auf medieninterne Konzentrationsprozesse bestenfalls hilflos sind und schlimmstenfalls dazu beitragen, den Zweigniederlassungen der Medienmonopolisten die angesichts der Verkaufskrise händeringend gesuchte Agenda mundgerecht zu servieren, aktivieren und ermutigen überall das Muffigste und Unfähigste, was die Randzonen der Kulturindustrie ausgebrütet haben.Die wahrhaft teuflische Ironie am Standort Deutschland, der die moderne kommerzielle Jugendkultur vor gerade mal einem halben Jahrhundert aus Amerika und England importiert hat, ist dabei aber, daß hier der stumpfsinnigste denkbare Abhub schlecht-einfältigen Kunsthandwerks neuerdings nicht mehr Schunkeln und Gartenzwerg heißen will, sondern Pop.
Die wo so singen tun, wie sie der Schnabel gewachst hat