betonblog.de Blog für schwere Gedanken.

Neulich im Weltnetz

Wir haben uns hier auf unserer Weltnetzseite ja auch schon ab und zu mit den Dummheiten, Platitüden (ooops, ein welsches Wort) und haarsträubenden Dreistigkeiten beschäftigt, die der deutschen Sprache bzw. unsereins widerfahren. Der “Verein für Sprachpflege” ist da viel fleissiger und hat die Netzsseite Deutsche Sprachwelt, auf der letztens zur Aktion 40 Tage quasselfrei aufgerufen wurde. Gut, mag man denken, auf einer Webtagebuchseite zu “40 Tage quasselfrei” aufrufen, da macht man wohl den Bock zum Gärtner. Aber es geht eigentlich nicht ums “Quasseln”, das ist ja (wahrscheinlich?) ein sehr deutsches Wort (und zudem ein überaus schönes: ich quassel, du quasselst, er/sie/es quasselt), sondern um den Verzicht auf “Fast-Food-Sprache”, den bewußten Verzicht auf eine aufgeblasene Sprache, gegen Sprach-Blähungen à la (ooops, wieder was welsches) “Jesus House, Linking Knowledge oder Smartsourcing”. Genau, ein Jesus House braucht man allerdings weder als Jesus Haus noch als Kirche. Das geht auch ganz ohne. Auf der Sprachwelt-Seite findet sich auch ein Beitrag über eine österreichische Briefmarke gegen Sprachpanscher, genauer:

X-Mas, nein danke! Wir feiern besinnliche Weihnachten

Die Weltnetzseite der Sprachwelt weist in ihrem “Neuigkeitensystem” noch einige andere kurzweilige Meldungen und Artikel auf (etwa “Nach Völler-Rücktritt: Auch Fernsehkommentatoren auswechseln”), die in der Tat nachdenklich stimmen. Manche Sprachveränderungen und Eindeutschungen wirken sehr gezwungen, aber um so länger man auf der Seite schmökert, um so einleuchtender wird einem die durchgängige Verwendung der deutschen Wörter. Vielleicht sollte man die Sache aber doch etwas lockerer sehen, manche Eindeutschungsversuche wirken wie das bärbeissige, ultrakonservative Früher-war-alles-besser-Geschwurbel. Der alte Goethe (liebe Kids, das war jemand wie Justin Timberlake, aber mit Grütze im Kopf…) hatte es schon raus: “Die Gewalt einer Sprache ist nicht, dass sie das Fremde abweist, sondern dass sie es verschlingt.” Na dann: Guten Appetit.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Gedacht. Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

 
  • Motti

    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

    Schlechtes Benehmen halten die Leute nur für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. (Klaus Kinski)

    I cannot persuade myself that a beneficent and omnipotent God would have designedly created parasitic wasps with the express intention of their feeding within the living bodies of Caterpillars. (Charles Darwin)

  • Kategorien

  • Archiv

  • Folgen

  • Seiten