Seit einiger Zeit ist im Internet der Flash-Film Epic 2014 sehr populär. Der Film zeigt zum Teil naiv, zum Teil sehr scharfsinnig, wie es in den nächsten Jahren weitergehen könnte mit Google, Microsoft, Amazon & Co. und mit den aktuellen Entwicklungen im Internet, in der Soft- und Hardware. Unglücklicherweise kommt der Film dabei wie ein Gespensterfilm daher (der Optimismus eines Thomas Morus oder Ernst Bloch ist uns offenbar für immer unwiederbringlich verlorengegangen), die Farbe Schwarz dominiert und alle Film-Effekte sind in schwarz-weiß gehalten. Es scheint, dass der Blick zurück aus dem Jahr 2014 in unsere heutige Gegenwart so erscheinen soll, wie wir heute Filme aus den 30er oder 40er Jahren sehen. Seltsam, seltsam, die Vergangenheit hat offensichtlich kein Recht auf Farbe, darf nie bunt erscheinen.
Aperto, Ihres Zeichens und ihrer Profession nach eine “Multimedia”-Agentur, hat eine eindrucksvolle deutsche Version von Epic 2015 erstellt, u.a. mit der überragenden (und immer etwas unheilschwanger klingenden) deutschen Stimme von Scully aus der TV-Serie Akte X.
Interessanterweise hat offenbar die Investment Banking Firma Dresdner Kleinwort Wasserstein ein eigenes Epic für die Finanzindustrie herstellen lassen. Verständlich, da im Original die Finanzwelt nicht besonders gut wegkommt, nicht die nette Firma von nebenan ist, sondern (u.a.) als als unheimliche Macht, als kaum zu kontrollierender Akteur erscheint.
So sehen sie aus, die Deutungskriege im Internet, jeder bastelt sich seine eigene Version der Zukunft und bringt sie unter die Leute. Ob Dresdner Kleinwort Basserstein sich allerdings in Finanzsachen ein besonders gutes Zeugnis damit ausstellt haben, dass sie in ihrer Epic-Version ausgerechnet Sport- und insbesondere Fußballwetten als das Investment der Zukunft ansehen? Da mag Hoyzer davor sein. Aber wer weiß, vielleicht setzt man bei Dresdner Kleinwort Basserstein schon heute Milliarden auf einen Sieg der Bayern und finanziert so die eigene Ahnungslosigkeit in Sachen Finanzen.