17.03.2006

Goethe parkt ein

Goethe parkt einLiebe Stadt Frankfurt, wie dummdreist, ungebildet, geschmacklos, dumm, von blindem Reim- und Zitatenwahn muß man eigentlich durchdrungen sein, um mit Goethe für ein Parkhaus zu werben? Und “Hier bin ich Mensch, hier park ich ein”, zu dichten, wie es nun schon seit geraumer Zeit auf dem Goetheplatz in Deiner Mitte zu lesen ist, erfüllt noch nicht mal mehr den Tatbestand der gemeinen Verballhornung (die Verballhornung an sich hat ja oftmals durchaus eine Spur von Witz und Selbstironie; zu witzigen Schiller-Parodien demnächst an anderer Stelle mal mehr; und wo kommt überhaupt das schöne Wort “Verballhornung” her?), sondern ist schlußendlich nur als ein billiges Heranschmeißen zu werten, als der leicht – allzu leicht – durchschaubare Versuch, das eigene triviale und nichtwürdige Tun, nämlich Löcher zu graben, um darin Autos abzustellen, mit einem Glanz, mit dem Nimbus des Klassikers zu übermalen. Die Kritiker sind die Fliegen am Arsch des Künstlers, heißt es irgendwo, aber das hier ist ja noch viel weniger.

Und wie arm muß man dran sein, um so einen Witz, der bestenfalls im Zigarettenrauch einer geselligen, ein und das andere Wort jagenden Kneipenrunde eine Existenzberechtigung und Halbwertzeit von nur einer Zehntelsekunde gehabt hätte, auf einem Bauschild monatelang in die Öffentlichkeit zu stellen?

Ganz zu schweigen von der albernen, als Goethe verkleideten Knallcharge. Und wir wollen ebenfalls von der doch ur-deutschen und allertiefst blicken lassenden Mentalität schweigen, die das Mensch-sein mit dem Parken eines Autos gleichsetzt.

Mann, mann, mann, wo bleibt die Ästhetikpolizei?

Geschrieben von blogschrift in Gedacht | RSS 2.0

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