Wir hatten an anderem Orte die Frage aufgeworfen und wollen sie nun, der Chronistenpflicht sei es geschuldet, auch beantworten: Wo kommt eigentlich das schöne deutsche Wort “verballhornen” her? Und wer hätte das gedacht, es gibt einen regelrechten Wort-Vater:
VERBALLHORNEN: verb. etwas nach art des Ballhorn machen, d. h. verschlimmbessern. Johann Ballhorn, über dessen wohnort und thätigkeit die angaben schwanken, wird zuerst erwähnt bei SCHUPPIUS: wie solt ich darzu kommen, dasz ich seines seel. um die christenheit wohlverdienten vaters scripta augiren, revidiren und also das magnificat verbessern solte wie Johan Balhorn, der buchtrucker zu Soost in Westphalen, welcher das abcbuch vermehrt und verbessert herauszgeben liesz? 588; als ich dasselbe erbrochen, lag darin diese paszquill, auctior et correctior wie Johan Balhorn zu schreiben pflag. 601; war traun ein herrlich fragment eh’s meister Schönkopf verballhornt hat. MUS?US bei CAMPE 5, 264. auch in den mundarten nicht unbekannt, vgl. D?HNERT 517.
So stehts im Grimmschen Wörterbuch. Und das Beste: Herr Balhorn selig ist Ehrenbürger der Stadt Lübeck und zwar, Fluch und Segen des Alphabets (oder heißt das jetzt schon Alfabet?) noch vor Willy Brandt.
Anmerkung am Rande: wer noch keine Meinung zur Rechtschreibreform haben sollte, dem oder der sei Hans Magnus Enzensbergers Philippika An unsere Vormünder in der FAZ empfohlen, schon fast zwei Jahre alt, aber in einem verbeamteten Staat wie Deutschland ist das eine lächerlich kurze Frist, ein Wimpernschlag. Und wie man an den aktuellen Entwicklungen sieht, ist das Thema Rechtschreibreform noch lange nicht ad acta gelegt. Herr Enzensberger widmet seinen Aufsatz eben jenem Verschlimmbesserer Johann Balhorn, der so geschrieben hat, wie es ihm passte und nicht so, wie es ein Staat meint vorzuschreiben zu können. Enzensberger:
Autoren, Linguisten, Gelehrte aller Fakultäten haben seit Jahren die Idiotie dieser verordneten Reform decouvriert. Inhaltlich ist dazu nichts Neues mehr zu sagen. Politisch bemerkenswert ist jedoch die Unbelehrbarkeit der ministerialen Ignoranten und die Feigheit derer, die ihnen auf die servilste Art und Weise gehorchen.