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Wenn die Welt kommt, wollen die Deutschen sie besiegen

Sehr schön, sehr schön, was André Heller, Kulturzampano, -schranze und -veredler für eingetrocknete FIFA- und DFB-Greise, in einem 3sat-Kulturzeit-Interview zur aktuellen Situation in Sachen WM, deutsche Mannschaft, Klinsmann-Rumnörgelei und deutscher Depression zu sagen hat:

“Ich habe gedacht, es heißt Fußballspiel. Und das Spielerische daran schien mir etwas ganz Kostbares. Jetzt ist es ein Fußball-Todernst. Ich bin der Erfinder von diesem Satz ‘Die Welt zu Gast bei Freunden’, was keine grandiose Erfindung ist. Doch was ich mir dabei gedacht habe war, man wird sich freuen, das so genannte Fremde im Land zu haben. Man wird sich auseinandersetzen mit dem, was uns von einander unterscheidet. Man wird elegant, nobel, großzügig den Menschen sagen: ‘Fühlt Euch hier wohl’. Und plötzlich merke ich, es geht darum, dass man die, die man zu Gast bittet, besiegen muss. Es wird in Deutschland nur mehr davon geredet, dass die kleine Welt untergeht, wenn man nicht Weltmeister wird. Das ist doch egal.”

Warum können wir nicht einfach sagen, dass es ein paar Mannschaften gibt, zumindest bei dem, was ich in der letzten Zeit beobachtet habe, die besser spielen als die deutsche Mannschaft?”

Freut Euch doch, dass Ihr ein bisschen anarchischer geworden seid, dass man euch mittlerweile mehr zutraut, als nur immer die Taffsten, die Tüchtigsten, die Martialischsten, die Besessensten, die Verlässlichsten, die Korrektesten zu sein! Warum kann das nicht ein durchlüftetes, gute Energien aussendendes, unverbissenes Land sein?

Herr Heller hätte vielleicht nicht so penetrant drauf hinweisen sollen, dass der Slogan ‘Die Welt zu Gast bei Freunden’ von ihm stammt (so sind sie halt, die Künstler), aber ansonsten kann man ihm nur uneingeschränkt Recht geben, nicht nur im Zusammenhang mit Fußball. Auch wenn das bei DFB-Bonzen, die sich keinen ausländischen Bundestrainer vorstellen konnten und für die bereits Klinsmanns Pendeln zwischen Kalifornien und Deutschland ein Malus übelster Sorte darstellt (ein deutscher Trainer muß in deutschen Gauen wohnen, einen Schnauzer tragen, einen süddeutschen Dialekt sprechen, Hunde lieben und jeden Tag ein Jägerschnitzel verspeisen), sehr uncool ankommen wird, dass jemand von ‘Spiel’ und ‘Verlieren’ spricht.

Hier gehts zu dem 3sat-Beitrag: Wenn die Welt kommt, wollen die Deutschen sie besiegen. Interview mit André Heller auf 3sat.

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    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

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