Das nenne ich kluges Schreiben über Fußball: Andreas Bernard denkt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom letzten Sonntag über die Fußballreporter-Platitüde nach, dass der Gefoulte nicht selbst den Elfmeter ‘vollstrecken’ soll. Nach der Überlegung, ob für den Gefoulten der Ball einem “Tabu”, einem vorübergehenden Berührungsverbot unterliegt, kommt er zu dem Gedanken,
ob vielleicht Reste uralter Kriegsmythologie in ihm [dem Tabu] bewahrt sind (der verletzte Kämpfer, der verunreinigt ist und nicht mehr am Kampf teilnehmen darf).
[...]
Womöglich ließe es sich als in den Fußball eingesickerte Spur jener zivilisatorischen Leistung deuten, den Affekt zur Selbstjustiz domestiziert zu haben. Das Opfer einer Straftat rächt sich nicht mehr mit eigenen Händen, sondern überläßt die Bestrafung einem Stellvertreter: der unbeteiligte Mitspieler als Henker.