Ulf Erdmann Ziegler schreibt heute in der Frankfurter Rundschau über den Frankfurter Kongress Kulturzone 06:
Ein nahezu unschlagbares Paar stellten Adé Bantu aus Köln und Marcus Staiger aus Berlin dar, die aus der Männerhölle des HipHop berichteten, einem Musikstil, der vom erektilen Kitzel lebt und mit seinem bassgetragenen Filibuster fortwährend “Identitäten” benennt und negiert: Zerwürfnis als Abendprogramm. Bantu erzählte von seinem knapp geglückten Versuch, eine Allianz deutscher schwarzer Rapper zu begründen (“Brother’s Keeper”), während Staiger das Seelenkästchen seiner verletzlichen Kiezklientel aufklappte. Bantu wählte seine Sprache wie ein Diplomat, während Staiger mit Zitaten wie “Der Schlampe hau ich die Fresse ein” den schmalen Grat zwischen Selbstbehauptung und Selbstgettoisierung illustrierte, aus dem sein bizarres Schallplattengewerbe (Royal Bunker) wächst.
Selbstgettoisierung, was für ein treffendes Wort. Ansonsten: tz, tz, tz. Wenn man den Rest des Artikels liest, dann kann man nur froh sein, nicht dabeigewesen zu sein. Ein gutes Buch ist vielleicht ebenso belehrend und diskursiv wie ein Frankfurter Schwurbel-Kongreß.