Wir hatten letztens “an dieser Stelle”, tief beeindruckt und geschockt, über den Dokumentarfilm Darwins Alptraum geschrieben. Immer noch gehen mir die Bilder im Kopf rum, da muß ich in der FAZ lesen, dass die ganze Sache ernsthafte Folgen hat. In der FAZ vom 21. August wird geschrieben, dass die Regierung von Tansania gegen die Mitwirkenden der Dokumentation vorgeht. Dazu muß man sagen, dass die Mitwirkenden kleine Leute sind, die ihren Alltag in einem hungernden, von Gewalt durchzogenen Land schildern, mehr nicht. Keine politischen Statements, nichts, sie sagen halt, wie das Leben in Tansania so ist, warum man sich von Fischskeletten ernähren muß, warum die Kinder Styropor-Kisten zu Schnüffel-Leim kochen, warum riesige russische Flugzeuge aus einem hungernden Land Tausende Tonnen Fisch abtransportieren und Waffen ins Land bringen, warum die Fischpiloten begehrte Männer sind, warum ein Nachtwächter als Nachtwächter arbeiten muß.Der Regisseur des Films sagte der FAZ: “Per Parlamentsbeschluß wurde erklärt, daß alle Mitwirkenden bestraft werden”. Der Nachtwächter Rapahel Tukiko (wer den Film gesehen hat, der wird gerade ihn nicht so schnell vergessen) stehe unter Hausarrest, ihm und anderen drohe die Verhaftung. Fuck, wie arm muß eine Regierung dran sein, die so gegen ihre Leute vorgeht? Das Image des Landes sei beschädigt worden, der Fischhandel sei eingebrochen, behauptet die Regierung. Gut, zugegeben, das Land Tansania kommt in dem Film nicht besonders gut weg, erscheint eher als Ausbeuter der Bevölkerung, als fette Potentaten, als Waffenhändler. Und das der Fischhandel eingebrochen ist, bestreitet wiederum der Regisseur. Wir empfehlen jedenfalls: esst keinen “Viktoria-Barsch” mehr, kauft keinen Fisch, der in Tansania eine ökologische Katastrophe ausgelöst hat (weil er eigentlich ein Nilbarsch ist), solange den Mitwirkenden an dem Film Repressionen drohen.
So, ihr Spitzenköche, ihr wisst ja ohnehin, wie der Fisch aussieht, für alle anderen ein Link zum WWF. Dann verzichtet halt mal eine Weile auf “Victoria-Barsch in Kokosmilch”, der Kabeljau tuts auch. Echt.
Und wir wünschen uns immernoch, dass dieser Film in der ARD um 20.15 Uhr gezeigt wird. Das gäbe eine Leserbrieforgie, ein Zerrütten der Ist-doch-alles-gar-nicht-so-schlecht-Weltblicker und naiven Tansania-Urlauber.