Also, wat is en Dampfmaschin? Da stelle mehr uns janz dumm. So (oder so ähnlich) wollen wir uns dieses visuelle Kleinod aus einem Spiegel-Online-Artikel mit dem beruhigenden Titel Bundeswehr-Angebot steht anschauen. Die Bildunterschrift lautet übrigens:
Deutscher Marinesoldat im Einsatz: Zählappell für den Libanon-Einsatz. (Bild:DPA)
Gemäß dieser Bildunterschrift ist die junge Soldatin (ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, ist nicht erkennbar und der Bildunterschrift trauen wir schon gar nicht, denn an der stimmt ja gar nichts…) in einem “Einsatz”.
Auf dem Helm können wir die Buchstaben AB (?) und am Hinterkopf “TZ” erkennen. ABC-SCHÜTZ?
Es ist hell, ein ruhiges Gewässer, vielleicht die Ostsee. Die junge Soldatin zielt offenbar auf die ruhig plätschernde Wasserfläche, eine Hand am Abzug, die andere, linke Hand scheint die Jacke gegen ein Flattern im sicherlich vorhandenen Wind (s. Hintergrund: Segelboot!) zu schützen. Doch hier sehen wir ein typisches Merkmal der aktuellen Presseikonographie: die linke Hand weist auf die die deutsche Flagge, ein seit der Fußball-WM häufig zu beobachtendes Verhalten.
Bemerkenswert ist weiterhin die symbolische Strahlkraft des Segelbootes, das leise, unschuldig weiß seine Bahnen zieht, während die dunkle, olivgrüne Kriegerin ihre Waffe und Deutschland Stärke demonstriert. Das Segelboot scheint fast am Gewehrlauf entlang zu gleiten, Der Fotograf zeigt uns , wie nah Frieden und Krieg beieinanderliegen. Die Botschaft lautet: auch wenn du mit einem scheinbar so unschuldigen Segelboot daherkommst, wir kriegen dich. Und wir gehen davon, das Du auf deinem kleinen, blöden Segelschiff (meins ist viel größer, viiiiiel größer) Massenvernichtungswaffen hast. Denn die sind überall, wirklich überall.
Wie absurd das Ganze durch den Segler wirkt, wird wohl auch dem Fotografen klargewesen sein, als er das Foto machte. Der Soldat oder die Soldatin wurde abkommandiert, etwa so: “Schütze Arsch, nu machense mal, hopp, hop, zeijen se dem jungen Mann mal, wie wir kurzen Prozess machen mit den Schmuggelheinis. Zack, zack, ran an die Knarre”. (Soldatin geht pflichtschuldigt ans Gewehr und peilt auf die ruhige Ostsee…)
Wir werden langsam daran gewöhnt, dass die Lage ernst wird, dass deutsche Soldaten den Frieden oder deutsche Interessen überall vertreten sollen, und das nicht mit einer Fibel und dem Grundgesetz unter dem Arm. Die Bevölkerung muß da mitziehen, muß Soldaten mit Waffe in fremden Ländern als normal ansehen. Die Berichterstattung (auch des zugehörigen Spiegel-Artikels) konzentriert sich auf technische Details, die Boote sind soundsoviele Meter lang, gehören der und der Klasse an, haben soundsoviele Leute an Bord. Die Aktivitäten in fremden Ländern werden zu rein logistischen Abenteuern à la Karl May. Es wird darüber erzählt, als ob das Technische Hilfwerk irgendwo eine Wasserleitung legt, nicht als ob eine Armee in eine fremdes Land zieht, um zweifelhafte Regime zu stützen, unsere Ölversorgung zu sichern oder “Flagge zu zeigen” (s.o.).
Ein Kommentar
Wie geil! Hat was von 100 Meisterwerken. Bitte mehr.