Auf Spiegel Online kritisiert Merkel den Zustand der Bundeswehr. Wir lesen daraus: mehr Militär ist von Nöten, die deutsche Freiheit wird am Hindukusch verteidigt, in Afghanistan, im Kosovo, demnächst im Libanon. Oskar Lafontaine griff Frau Merkel deshalb heute scharf an, sprach in der Presse und im Bundestag davon, “dass in der Regierung viele Anfänger sitzen, die Deutschland in militärische Abenteuer hineinschwatzen. Das beginnt beim Verteidigungsminister und endet bei der Chefin”, so Lafontaine. Weiter heißt es bei Spiegel Online über Lafontaine:
Er sprach ferner von einer “manischen Sucht mancher Leute, deutsche Soldaten in alle Welt zu schicken”. Die deutsche Außenpolitik verfehle das Ziel, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, sie hole vielmehr den Terror ins Land, sagte der ehemalige SPD-Vorsitzende und fügte hinzu: “Wenn wir uns an völkerrechtswidrigen Kriegen gegen andere Länder beteiligen, kommen vielleicht auch die Angehörigen von Opfern dieser Kriege auf die Idee, Anschläge in Deutschland zu verüben.”
Angela Merkel sagte dagegen in der Wochenzeitung Zeit, dass der Zustand der Bundeswehr verbessert werden könne. Mit Blick auf die zahlreichen Auslandseinsätze und die kommende Libanon-Mission erklärte sie: “Deshalb müssen wir uns insgesamt fragen, ob die Strukturen unserer Streitkräfte zukunftstüchtig sind.”
So geht es immer weiter, die Freiheit wird überall auf der Welt verteidigt, die Bundeskanzlerin besteigt medienwirksam (spricht da noch jemand vom ehem. Medien-Kanzler?) U-Boote, beklagt die schlechte Ausrüstung der Armee, der ehemalige Verteidigungsminister Struck beschimpfte Lafontaine heute im Bundestag als “Drückeberger”, er soll doch mal nach Afghanistan gehen, er sei ja noch nie dagewesen, dann könne er sehen, dass die Kinder dort jetzt zur Schule gehen könnten dank der internationalen Streitkräfte.
Und wie wird es weitergehen: die Bundeswehr wird sich an vielen Ecken in der Welt engagieren, irgendwann wird irgendwo die Lage brenzlig werden oder es geschieht ein großes Attentat auf “unsere Jungs”, dann müssen alle plötzlich zusammenstehen, das Parlament soll seiner Pflicht nachkommen, es werden mehr Jungs & Mädels an der Waffe benötigt, mehr Geld, mehr Flugzeuge, mehr Ausrüstung, mehr Überwachung an der Heimatfront, das Parlament wird in die patriotische Pflicht genommen, um “unsere Soldaten” nicht im Stich zu lassen. Zuhause steigt die Videoüberwachung, es darf mehr abgehört werden, denn jeder ist verdächtig, der nachdenkt, der “Nein” sagt und nicht mitmachen will, keine Fahne ans Haus oder ans Auto hängt.
Die Tendenz ist klar zu erkennen, anders als unter Schröder läßt man sich auf langsame Art in diverse Konflikte hineinziehen. Und es ist schon mehr geplant, vielleicht weil Bush beim Grillen so freundlich drum gebeten hat, Spiegel online schreibt über Angela Merkel:
Die Bundeskanzlerin erinnert daran, dass Deutschland gemessen am Bruttosozialprodukt weniger für die Armee ausgebe als Finnland, Norwegen oder Holland und sogar deutlich weniger als Italien, Frankreich, Großbritannien oder die USA. Man werde “nicht sagen können, dass die Verteidigungsausgaben in den nächsten 20 Jahren sakrosankt sind”, sagt Merkel. Das betreffe aber nicht den Haushalt 2007/2008. “Eine deutsche Regierung kann jetzt nicht sagen: In den nächsten Jahrzehnten bitte keine neuen Konflikte, weil wir uns das nicht leisten können”, sagt die Bundeskanzlerin.
Passend zum Thema: Wir haben ja schon vor einiger Zeit über das glorreiche Propaganda Remix Project des Künstlers Micah Wright geschrieben, es sind wieder viele schöne Plakate hinzugekommen.