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Ja, ja, der Mensch, der Papst

Man sollte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nicht mehr kaufen. Die erste Seite titelte: “Lehmann: Der Papst ist zuerst Mensch”. Mein Gott, ach ja, wie scharfsinnig. Dann diese Bilder von durch die Nacht wandernden Kerzenträgern auf der Suche nach Gemeinschaft, beglückt vom Erlebnis, und ich denke: na gut, dann sollen sie halt ihre naiven Kulte betreiben, den Blick gen Himmel wenden, die Gemeinschaft suchen, Blutfresserei betreiben, Devotionalien kaufen, sich ein bißchen Hilfe in dieser für sie (warum wohl?) ach so unübersichtlichen Welt erflehen und sich von einem Pfaffen darüber belehren lassen, dass der Papst eben auch nur (wir sagen: immerhin!) ein Mensch ist. (Und wir ergänzen: ein Mensch, der übrigens auch ganz ganz menschliche Bedürfnisse hat, denkt da mal drüber nach, liebe Christen).

Das Bild zeigt Ludwig Feuerbach, es wird veröffentlicht unter der creative commons license (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/), source source:http://www.marxists.org/glossary/Aber jetzt reicht es! Jetzt ist Schluß mit heilig, heute heißt es auf der ersten Seite der FAZ über “Benedikt XVI”, wir sagen: über den in Italien in einer Gesellschaft für kulturelle Veranstaltungen beschäftigten Herr Ratzinger: “Wo Gott groß wird, wird auch der Mensch groß”. Hm, hm, hm, schlau, schlau, wie dialektisch gedacht. Wer macht da nicht folgende Rechnung auf:

Papst = Mensch (Lehmann)

Gott groß = Mensch groß (Herr Ratzinger)

? Gott groß = Papst groß

Die sind halt schon saugescheit, da in ihrem Zwergstaat, holen den Papst zunächst auf die Erde zurück, machen einen auf Kumpel, der Papst als Menschen-Nachbar, und dann wird doch wieder gut-christlich transsubstantiiert und einer auf dicke Hose gemacht…

Aber man kommt doch arg ins Zweifeln darüber, ob diese ganze Aufklärung nicht tatsächlich den Bach hinuntergeht oder bereits hinuntergegangen ist. Laufen denn nur noch dumme Schäfchen herum, die den Religionen auf den Leim gehen? Die einen beten eine an einem Holzpfahl hängende Leiche an, andere sprengen sich aus lauter Todessehnsucht in die Luft. Toten- und Jenseitskult allerorten. Wie heißt es so treffend auf der Heimseite der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft:

Der Zweck meiner Schriften … ist: die Menschen aus Theologen zu Anthropologen, aus Theophilen zu Philanthropen, aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits, aus religiösen und politischen Kammerdienern der himmlischen und irdischen Monarchie und Aristokratie zu freien, selbstbewußten Bürgern der Erde zu machen. (Aus Feuerbachs “Vorlesungen über das Wesen der Religion”, 1848/49)

Genau. Werdet Philanthropen ohne all das ganze Wunder-Heiligen-Brimborium drumrum. Geht auch, echt. Und der Feuerbach ist schon so alt, und doch so wahr. Aber wir wollen ja jeden machen lassen, denn:

Laßt den andern glauben, was er will, aber fordert dafür auch von ihm, daß er dich nicht glauben läßt, was er glaubt. Diese Forderung ist gerecht und billig; aber ungerecht und verwerflich, verwerflicher noch als die Intoleranz des Gläubigen ist die Intoleranz des Aufgeklärten, welcher von den andern ohne Unterschied verlangt, daß sie zwar nicht so glauben, aber so denken, so frei und gescheut sein sollen, wie er selbst. Man muß auch gegen die Unfreiheit und Dummheit tolerant sein. (Ludwig Feuerbach, Sämtliche Werke, X. Band,S, 346 Neu herausgegeben von W. Bolin und Fr. Jodl, 2. Aufl., Fromann Verlag 1960)

Über Ludwig Feuerbach in der Wikipedia

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  • Motti

    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

    Schlechtes Benehmen halten die Leute nur für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. (Klaus Kinski)

    I cannot persuade myself that a beneficent and omnipotent God would have designedly created parasitic wasps with the express intention of their feeding within the living bodies of Caterpillars. (Charles Darwin)

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