Gestern im Konzert von Two Gallants gewesen. Ein wunderbares Konzert, man hatte die Gewißheit und die Freude, etwas Großes zu erleben und zu spüren, wie die Energie der beiden aufgeladenen Musiker ins Publikum fließt und den Raum elektrisiert. Was für eine Stimme des gitarrespielenden Frontmanns, die mit einem Wort so viel erzählt. Dankbarkeit für ein Frankfurter Publikum, das zu guter Musik zahlreich erscheint.
Gleichzeitig heftig darüber nachgedacht, warum man nicht öfter in Konzerte geht. Aber die Gründe liegen auf der Hand. Es gibt ein Publikum, dass sich gegenüber dem Künstler ignorant verhält, undankbar ist und nicht würdigt, dass die Künstler für ihre Musik leben, ihr Leben daran ausgerichtet haben und ihr Herz (und ihre Seele?) auf der Bühne ausstellen.
Die nach oben offene Künstler-Ignorierungs-Skala:
- Quatschen während leiser Gesangs- und Gitarrenpartien
- Quatschen während lauter Gesangs- und Gitarrenpartien
- Rauchen
- Wiederholtes Rauchen
- Mangelnde Demut gegenüber dem Künstler
- Dümmliche Vergleiche à la “Das klang wie von Bruce Springsteen. Nee, wie von Bob Dylan.”
- Handy klingeln lassen
- Mitsingen
- Auf Plastik-Bierdeckel treten
- Klatschen am Liedanfang
Der Gedanke, dass ein Publikum ähnlich dem Milgram-Experiment von den Künstlern immer mehr fordert, immer mehr Zugaben und eine noch stärkere Verausgabung einklagt, bis die Künstler tot umfallen. Moderne Gladiatoren, die auf dem Altar der Volksbelustigung (heute sagt man wohl Entertainment) zum Wohle der Unterhaltung und Ablenkung vom tristen Dasein geopfert werden.