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Die nach oben offene Künstler-Ignorierungs-Skala

Gestern im Konzert von Two Gallants gewesen. Ein wunderbares Konzert, man hatte die Gewißheit und die Freude, etwas Großes zu erleben und zu spüren, wie die Energie der beiden aufgeladenen Musiker ins Publikum fließt und den Raum elektrisiert. Was für eine Stimme des gitarrespielenden Frontmanns, die mit einem Wort so viel erzählt. Dankbarkeit für ein Frankfurter Publikum, das zu guter Musik zahlreich erscheint.
Gleichzeitig heftig darüber nachgedacht, warum man nicht öfter in Konzerte geht. Aber die Gründe liegen auf der Hand. Es gibt ein Publikum, dass sich gegenüber dem Künstler ignorant verhält, undankbar ist und nicht würdigt, dass die Künstler für ihre Musik leben, ihr Leben daran ausgerichtet haben und ihr Herz (und ihre Seele?) auf der Bühne ausstellen.

Die nach oben offene Künstler-Ignorierungs-Skala:

  1. Quatschen während leiser Gesangs- und Gitarrenpartien
  2. Quatschen während lauter Gesangs- und Gitarrenpartien
  3. Rauchen
  4. Wiederholtes Rauchen
  5. Mangelnde Demut gegenüber dem Künstler
  6. Dümmliche Vergleiche à la “Das klang wie von Bruce Springsteen. Nee, wie von Bob Dylan.”
  7. Handy klingeln lassen
  8. Mitsingen
  9. Auf Plastik-Bierdeckel treten
  10. Klatschen am Liedanfang

Der Gedanke, dass ein Publikum ähnlich dem Milgram-Experiment von den Künstlern immer mehr fordert, immer mehr Zugaben und eine noch stärkere Verausgabung einklagt, bis die Künstler tot umfallen. Moderne Gladiatoren, die auf dem Altar der Volksbelustigung (heute sagt man wohl Entertainment) zum Wohle der Unterhaltung und Ablenkung vom tristen Dasein geopfert werden.

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  • Motti

    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

    Schlechtes Benehmen halten die Leute nur für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. (Klaus Kinski)

    I cannot persuade myself that a beneficent and omnipotent God would have designedly created parasitic wasps with the express intention of their feeding within the living bodies of Caterpillars. (Charles Darwin)

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