Ich bin es ja müd, und ehrlich gesagt ist es auch a bisserl fad, aber Johnny Häusler von Spreeblick hat natürlich auch völlig recht, die neunmalkluge Technikverliebtheit ewiger Kritikaster mal in aller Öffentlichkeit zu benennen und ad absurdum zu führen:
Jedes Mal, wenn ich in deutscher Sprache etwas über Entertainment-Technologien lese und nicht De:Bug drüber oder drunter steht, riecht es nach abgestandenem Filterkaffee, den selbst vielfache Portionen dieser kleinen Plastik-Kondensmilch-Dinger nicht heller, sondern nur noch kälter bekommen können, nach Aldi-Keksen (die Meeting-Packung) und nach Polyester-Krawatten mit aufgebügeltem SAP-Logo.
In der Folge wird der Schwachsinn einer iPhone-Kritik auf golem.de auseinandergenommen. Sehr wohltuend, erleuchtend und lehrreich. Hier kann man das nachlesen: Zuhause 2007.
Und es muß wohl mal in aller Deutlichkeit gesagt werden: Apple scheint mit seinem iPhone offenbar gerade eine saturierte und kundenferne Branche kräftig durcheinanderzuwirbeln.
Wenn man allein die Erklärung von Handytarifen durch die Handyfirmen sieht, dann denkt man sofort an Taschendiebe, Beutelschneider und Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Die “1 €” oder sogar “0 €”-Angebote prangen riesengroß, drunter versteckt sich ein grauer Balken, in dem in Minischrift Preise, Ausnahmen, Fußangeln und andere Haken lauern.
Dann werden Handies verkauft, über die ein Produktdesigner lange nachgedacht hat und die durch das sog. ‘Branding’ der Handyfirmen völlig verunstaltet werden, z.T. werden Funktionen auch gesperrt, damit man z.B. Fotos nicht vom Handy runterladen kann, sondern dafür eine teure MMS versenden muß. Überhaupt, wer braucht die Fotofunktion ernsthaft? Diese wurde allein erdacht, um durch den Zusatzdienst mehr Umsatz pro Handy zu erzielen.
Und die Handies selbst? Mannomann, wenn es einen strafenden Gott gibt, dann soll er doch bitte auch mal die Interface- und Produktdesigner strafen, die uns absurde Menüs, 5 Klicks bis zum SMS-Menü, grauenhafte Klingeltöne und sehr, sehr, sehr tiefe Menüstrukturen zumuten.
Johnny schreibt über den Golem.de-Artikel, der das Neue am iPhone nicht verstehen kann, weil dazu ein Schritt zurück und ein unbefangener Blick auf das eigene Tun notwendig wäre:
Es könnte als dritte Möglichkeit aber sogar sein, dass der Artikel die Verzweiflung einer Branche widerspiegelt, die die Welt, nämlich ihre Kunden, nicht mehr versteht, vielleicht noch nie verstanden hat und die daher seit vielen Jahren (nicht nur) mobile Technik auf den Markt wirft, die uns als Menschen im 21. Jahrhundert lächerlich macht.
Bravo, bravo, bravo.
Es wäre natürlich ein herrlicher Treppenwitz der (Kommunikations)geschichte, wenn nach der (in IT-Maßstäben gemessen) uralten und im Aussterben begriffenen Musikindustrie die relativ junge Mobilfunkbranche durch den marketing- und lifestyleorientierten Ansatz von Apple zumindest einen gewaltigen Schlag in den Magen bekommen sollte.
Ach ja, das iJohnny-Video ist natürlich auch sehr witzig…