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Adorno über Vietnam-Schnulzen

Das ist schon sehr klug, verdammt klug, was man hier in diesem kurzen Video sehen kann. Nicht nur der Satz “Die US-Army erobert ein Bauerndorf – und zündet es an” gehört in Stein gemeisselt, beschreibt er doch auf eine selten trockene und treffende Weise die interkulturelle Kompetenz nordamerikanischer Freundschaftsbotschafter (gerade wieder zu beobachten in Mesopotamien…). Auch der weitere Scharfsinn und Fortgang des Filmschnipsels ist beeindruckend.
Zunächst gefällt mir die Beobachtung, dass die weltweite Anti-Vietnam-Bwegung eine erste Welle der Globalisierung (gleiche Hosen, gleiche Jacken, gleiche Parolen etc.) gewesen sei. Man muß dieses Phänomen halt auch so begreifen und auch solche glorifizierten Aktionsformen (z.B. Hippies, 68, Friedensbewegung, Attac) auch als Globalisierungsphänomene begreifen (die u.U. sogar zur Nivellierung oder Beseitigung regionaler/traditioneller Protestformen führen oder geführt haben).

[youtube Xd7Fhaji8ow]

Der Höhepunkt ist allerdings Adornos etwas humorlos (gut, iss eben Philosophie und nicht Entertainment) vorgebrachtes Statement gegen das “entsetzlich kitschige” Singen von Liedern gegen den Krieg. Ich meine sogar in dem Filmchen zu sehen, das Adorno vorne auf der Zunge (ganz vorne, bei den Schneidezähnen) die Bemerkung liegt, dass eigentlich das Liedchen von Joan Baez schlimmer als der Vietnam-Krieg sei. Aber dann traut er sich doch nicht, so etwas aus der Reihe tanzendes zu sagen.

Bewundernswert bleibt Adornos konträr zu allen gängigen Auffassungsweisen stehende Sicht der Dinge, die auch im vermeintlich wahren guten schönen Sein der Musik den austauschbaren Konsumkleister erkennt, die Massenware, die Menschen verblendet, selbst wenn sie und die Musik für eine gute Sache eintreten. Die ganze Sphäre der Unterhaltungsmusik bleibt dem Warencharakter verpflichtet. Manchmal vergißt man das bei all dem Rebellengehabe und Nicht-Anpassungs-Getue der lieben Musiker.

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Ein Trackback

  1. [...] es ja erst vor kurzem wieder mit den schweren (den wirklich schweren) Gedanken und hatten einen schönen Filmschnipsel von Adorno zum Besten gegeben und lobend erwähnt. Auf YouTube gibt es aber noch viel mehr zu entdecken, zum Beispiel diesen [...]

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    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

    Schlechtes Benehmen halten die Leute nur für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. (Klaus Kinski)

    I cannot persuade myself that a beneficent and omnipotent God would have designedly created parasitic wasps with the express intention of their feeding within the living bodies of Caterpillars. (Charles Darwin)

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