10.02.2007

Einer muß es ja mal sagen: Adorno über zwischenmenschliche Kälte

Und nochmal Bildungsfernsehen… ;-) Wir hatten es ja erst vor kurzem wieder mit den schweren (den wirklich schweren) Gedanken und hatten einen schönen Filmschnipsel von Adorno zum Besten gegeben und lobend erwähnt. Auf YouTube gibt es aber noch viel mehr zu entdecken, zum Beispiel diesen Filmschnipsel, Adorno redet über zwischenmenschliche Kälte:

[youtube iqIPOGIlKFI]

Es scheint mir nicht nur der Scharfsinn, der hier besticht, es ist auch die Originalität des Gedankens. Der kurze Tagtraum eines großen Mannes über einen Grundzug (!) des Menschen, die Kälte, die Gleichgültigkeit. Eine ganz praktische Frage, abseits von platten Dämonisierungen, dem über die Deutschen gekommenen “Bösen” und der angeblichen “Verführung”.

Tatsächlich sei man eben nur nett zu den “paar” Menschen, mit denen man unmittelbar, sozial verbunden sei, zum Beispiel zur Familie und gegenüber den Freunden. Gegenüber allen anderen sei man indifferent und gleichgültig, etwa den Drogenabhängigen am nächsten Bahnhof, den Hungertoten in Afrika (meine Interpretation), den Opfern von Auschwitz.
Vielleicht ist Wärme bisher (d.h. seit Anbeginn der Menschheit) überhaupt nur sehr selten zwischen den Menschen gewesen, meint Adorno. Ein Grund dafür sei sicher auch, dass die zu liebenden Menschen eben auch nicht gerade besonders liebenswerte und Liebe ausstrahlende Menschen seien. Der Impuls des Christentums in dieser Hinsicht (dem Wechsel des Denkens von der grundlegenden Kälte zur Barmherzigkeit) sei groß.

Etwas traurig bin ich als Frankfurter natürlich über die klischeehafte Inszenierung der Gedanken. Die zwischenmenschliche Kälte mit Hochäusern, Beton und Menschen im Aufzug zu illustrieren, zeugt natürlich gerade nicht von jener Originalität, die den Text so auszeichnet.

Mich beschleicht oftmals vielmehr beim Durchwandern von wie vereinsamt daliegenden Dörfern mit den vielen Eternit-verkleideten Einfamilienhäusern, den runtergelassenen Fensterläden und den fehlenden Bürgersteigen ein ungutes Gefühl von Kälte und einer merkwürdigen menschenfeindlichen Stimmung.

Und liebe SUV-fahrende, ‘wegen der Kinder’ in bessere Bezirke ziehende und Fahrradhelm-verteilende Eltern, unbedingt bis zum Ende anhören und gucken.

Geschrieben von blogschrift in Gedacht | RSS 2.0

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