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Kindzentrierung als Ursache für Kinderlosigkeit: Deutschland, mach Dich locker

Eine Deutsche erzieht den Mittelpunkt ihres Lebens

Wer Augen hat, der oder die lese, was der deutsche Soziologe Trutz von Trotha (aside gesprochen: allein dieser Name wäre schon einen Blogbeitrag wert, nachdem wir Florian Henckel von Donnersmarcks deutsch-pickelhaubenmäßig scheppernden Eigennamen hier bereits gewürdigt haben…) über mögliche Gründe für das demographische Dilemma der Deutschen zu bemerken hat.

Mich hat es letztens bei der Zeitungslektüre schon etwas in Erstaunen versetzt, dass in Frankreich (61,9 Mio. Einwohner) absolut mehr Kinder geboren werden als in Deutschland (82 Mio. Einwohner), jetzt lese ich in der Telepolis über von Trotha:

Der interessante Punkt, den Trotha mit seiner kurzen historischen Entwicklungsskizze ansteuert, ist folgender: Die Kindzentrierung und der pädagogische Perfektionsanspruch, der sich quasi als siamesischer Zwilling zu ihr gesellt, führe zur Überforderung aller Familienmitglieder, des Kindes, der Mutter, in der jüngsten Zeit auch des Vaters – und: sie sei demographisch dadurch “am folgenreichsten” geworden, “dass sie in ihrem Schoß eine gegenläufige Entwicklung geboren hat, die Kinddezentrierung, für welche die kinderlosen ausbildungs- und mobilitätsbewussten Akademiker – mit den Journalistinnen und Journalisten an erster Stelle – beispielhaft sind.

Weiter wird von Trotha zitiert:

Typisch für deutsche Frauen ist gleichfalls die Angst, symbolträchtige Augenblicke wie den ersten Schritt oder das erste Wort des Kindes zu verpassen. Auch ist rationales Abwägen zwischen den Bedürfnissen der Mutter und des Kindes in Frankreich eher möglich. Rationales Abwägen ist in der deutschen Familienkultur eine Sache, bevor die Kinder geboren sind – mit der Folge, dass die Kinder erst gar nicht oder in fortgeschrittenerem Alter geboren werden.

1. Gedanke: der deutsche Perfektionsanspruch steht sich, wie so oft, selbst im Weg. Offensichtlich ist auch in der Familienpolitik und Erziehung der Satz “Gut gemeint ist nicht gut gemacht” mehr als angebracht. Aber wie bringt man einem Volk Lockerheit bei, das (nicht ganz zu Unrecht) in der ganzen Welt als ordnungsversessen und perfektionistisch gilt? Der Vergleich mit dem (ehemaligen) deutschen Fußballspiel liegt nahe, aber wir hatten ja einen Klinsmann, der uns vom drög-hölzernen Perfektionismus weggebracht hat. Wo bleibt der Klinsmann für die Erziehung? Frau von der Leyen ist das sicher nicht.

2. Gedanke: Der letzte Satz im zweiten Zitat ist einfach zu köstlich.

3. Gedanke: Wie Das ehemalige Volk ohne Raum wird langsam ein Volk ohne Kinder, vielleicht sollten wir Meck.-Pomm. oder demnächst Brandenburg “wg. Leerstand” an den Meistbietenden verkaufen, ein Volk ohne Kinder ist auch für unsere Nachbarn gesünder.

Hier der komplette Artikel über von Trotha bei Telepolis und hier der Original-Artikel von von Trotha in der Frankfurter Rundschau

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    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

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