27.05.2007

Online-Award macht grimmig

Etwas merkwürdig ist es schon, die Schwaben würden wohl von einem “G’schmäckle” sprechen, dass der Grimme Online Award für den begehrten und hoch angesehenen Preis ein bestenfalls mittelmäßiges Online-Projekt (nach)nominiert, an dem einer der vermeintlich neutralen Juroren beteiligt ist. Hier die Erklärung der Grimme-Leute zu dem seltsamen Nominier-Gebaren und dazu, dass der sich selbst nominierende Juror Mario Sixtus nun, also erst nach der Nominierung seines eigenen Angebots, aus ‘Anstand’ aus der Jury ausgeschieden ist.

Mit Verlaub, aber das riecht ja förmlich nach klebrigen öffentlich-rechtlichen Schiebereien, nach kleinen Gefallen für gute Freunde, nach dem Zuschieben von Web-Aufmerksamkeit durch Kumpane. Der Don, gerade aus dem Altherren-Urlaub auf der Mille Miglia zurückgekehrt, ist irritiert:

Wird für den Grimme Online Award tatsächlich ein Jurymitglied namens Mario Sixtus nominiert, der heute mit den früheren Siegern bei Adical ist und der jetzt zwecks Preis aus der Jury zu den Nominierten wechselt?

Kurz: Kann mir mal einer erklären, was zum Teufel in solchen Leuten abgeht, falls das tatsächlich stimmen sollte? War hier die Hitzschlagsaison? (Don Alphonso in Rebellen ohne Markt)

F!XMBR hat die ganzen merkwürdigen Zusammenhänge zusammengeschrieben (Grimme Online Award – Wie man sich gegenseitig die Preise zuschiebt) und heise spottet daraufhin:

Muss man Beckmann und den Freunden der Spritztechnik so viel Aufmerksamkeit schenken? Ja, denn gegenwärtig wirtschaftet sich das, was einstmals öffentlich-rechtliches System genannt wurde, schneller in den Abgrund, als Epo-gedopte Lemminge springen können. Die Verblödung reicht bis in die Bereiche, in denen dieses System seine Internet-Kompetenz feiert. Bei dem auf öffentlich-rechtliche Inhalte fixierten Grimme Online Award ist das gut zu erkennen. Da hüpft mal eben ein Mitglied der Jury in den Wettbewerb, weil sein Rammler unversehens ein richtiger Brummer geworden ist. Natürlich betonen die lieben Kollegen, dass solch eine unverhoffte Nachnominierung auch Konsequenzen hat: Der aufrechte Gang ist immer eine Frage der Orthopädie. (heise: Was war. Was wird.)

In diesem Sinne wünschen wir der Grimme Online Award-Jury eine gute Krankenkasse.

Update 31.05.07: Der Direktor des Grimme Instituts äußert sich in einer Klarstellung zu dem merkwürdigen Nominierungsgebaren und kündigt an, daß das Grimme-Institut für den Wettbewerb 2008 eine Änderung des Statuts erörtern wird.

Bleibt anzumerken, dass es weiterhin merkwürdig ist, dass man in diesem äußert kleinen und überschaubaren Ding namens Internet unter so wenigen möglichen nominierungswürdigen Onlineangeboten ausgerechnet eines nachnominiert, dass von einem Jury-Mitglied gemacht wird.

Geschrieben von blogschrift in Gelesen, Gelinkt | RSS 2.0

Bisher ein Kommentar zu “Online-Award macht grimmig”

  1. Lilli meint:

    Tja, und jetzt ist dem Grimme Institut auch noch der peinliche Fehler unterlaufen, dass sie heute, 18.6.07, bereits die Preisträger online gestellt haben: http://www.grimme-institut.de/html/index.php?id=582 Und ratet mal, wer in der Kategorie Bildung und Wissen gewonnen hat! Genau. Der elektronische Reporter. Da fällt dir echt nix mehr ein…

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