Zwei Gedanken zu Second Life:
- Totgeburt von Anfang an. Komplett unwichtiges Zeitphänomen, das in 2-3 Jahren total vergessen sein wird. Nichts als ein Medienphänomen, Futter für gelangweilte Redaktionen, die auf Teufel komm raus Spalten füllen müssen. Unternehmen, die in ein dermaßen überbewerteten Hype investiert haben, werden hoffentlich in allernächster Zukunft von ihren Aktionären gefragt, für was sie denn da Geld ausgegeben haben.
- Man mache zunächst für sich & in aller Stille das kleine Gedankenexperiment, einmal ganz normale Menschen ihre ganz persönliche Utopie entwerfen zu lassen. Will heißen: man beschäftigt sich mit dem Thema der Utopie, ohne dafür die üblichen Verdächtigen und große Vorbilder aufzurufen, seien es ein Thomas Morus, ein Bernard Mandeville, ein Aldous Huxley. Und was kommt dabei heraus: ein stressiges Second Life, in dem übergroße Geschlechtsteile, Markenklamotten und das Äußere am wichtigsten sind, es geht eigentlich nur ums Rammeln, ums Prestige, um dummes Geschwätz. Im Second Life laufen die vielen kleinen ganz normalen Menschen in die gleiche Falle, in die sie schon im First Life gelaufen sind: kaufen, um glücklich zu sein, Stress haben, um kaufen zu können, unglücklich sein, da alles so stressig ist.
Der einzige substantielle Beitrag zu Second Life findet sich hier: Second Life auf Youtube von Draftfcb
Ach ja, um die angefangene Liste fortzusetzen:
- Second Life
Ein Kommentar
Wer hätte das gedacht, die Utopie des Durschnittsmenschen ist nicht “Walden”. Ehrlich gesagt: auch ich würde lieber im heutigen Second life leben als in Morus’ Utopia, wo ich dann alle paar Wochen zur Gemeinschaftsarbeit auf dem Land verschickt werde und ein Ältestenrat über meine Kinderzahl bestimmt, nee, lass mal.
(Liberalismus verträgt sich im allgemeinen ganz schlecht mit Utopievorstellungen, weil: immer kommen irgendwelche Deppen mit schlechtem Geschmack daher und reden Schmarrn! In der Utopie wird das ja nicht bedacht. Der Witz des Liberalismus ist es nun geradezu, sie gewähren zu lassen. Autsch.)
Meiner Meinung nach kann man Second Life schon eine große Berechtigung zusprechen, und zwar für Menschen, die im “echten” Leben Beschränkungen unterliegen, also z.B. Behinderung, schwere chronische Erkrankungen, und vor allem Sozialphobie. Wer unter sowas leidet (und das sind nicht wenige), oder wer sonstwie isoliert ist, wird über Second Life, und auch über die Konsummöglichkeiten, die man dort hat, sehr froh sein. Auch für weltanschauliche Gruppierungen, die sehr über den Globus verstreut sind (denke da z.B. an Transhumanisten) ist das doch sehr angenehm, mal ihresgleichen sozusagen in persona treffen zu können.
Aber Du wolltest ja über das Thema nichts mehr hören. Bin schon still!