Nochmal zurückkommend auf die gestrigen Überlegungen über die möglichen Gefahren des Großen Hadronen-Beschleunigers des CERN bei Genf: jetzt lese ich doch hier zum eigenen Erstaunen, dass dort “Gott-Partikel” nachgewiesen werden sollen1 und ebensolche wirren Gedanken bezüglich der Pulverisierung der Schweiz oder unseres Sonnensystems durch die geplanten Experimente schon von anderen (u.U. von berufener Stelle) unternommen wurden: CERN LHC mini black holes – Verschwörung.
Etwas beunruhigend wirkt auf mich aber folgendes Zitat:
Es soll eine Stellungnahme der beteiligten Physiker geben, dass selbst bei ungünstigster Kumulation jeweils sehr unwahrscheinlicher Einzelereignisse, ein Anwachsen des schwarzen Loches auf eine für die Erde bedrohliche Größe etwa 50 Million Jahre (logischerweise im statistischen Mittel) dauern würde, weshalb Bedenken zerstreut werden.
Da würde ich mir aber mal Gedanken darüber machen, was unsere Nachfahren in 50 Mio. Jahren über die CERN-Physiker denken werden… (denn nur Kleingeister wehren solche Überlegungen ja mit Bemerkungen à la “Da haben wir uns doch schon längst selbst in die Luft gesprengt” ab).
Herr Diebner, Betreiber des Blogs Performative Science – Negotiating the Arts and the Sciences, führt weiter aus, dass es zumindest erlaubt sein muß, sich Gedanken darüber zu machen, auf welchem Wege Menschheitsprojekte wie der Große Hadronen-Beschleuniger zustandekommen und ob man solche Projekte aufgrund ihres eventuell (und in diesem Wort liegt die ganze Problematik) möglichen Fehlschlags mit unabsehbaren Konsequenzen einfach nicht anschaltet:
Da das zu erwartende schlimmste Ereignis im HLC-Falle der Untergang der Erde ist, kann hier die Unbekümmertheit wohl nicht daraus [aus der Freude der Physiker am Nicht-Eintreffen ihrer Voraussagen] resultieren. Welche Mechanismen sind es also? Die Unglaubwürdigkeit der Personen, die diese Bedenken äußern? Die Unmöglichkeit, das teuerste Experiment aus Gründen des Gesichtsverlustes zu stoppen? Immerhin gibt es Forscher, deren Artikel zu einschlägigen Berechnungen des CERN-Experimentes von “peer reviewers” abgelehnt wurden. Frage: Geht bei der Entscheidung für das Ablehnen von Beiträgen nur das Urteil auf Richtigkeit des Beitrags ein oder auch die mögliche Konsequenz, was eine Ablehung im Falle eines falschen Urteils bedeuten würde? Immerhin, eine solche Abwägung wird von jedem Arzt hinsichtlich seiner Diagnose verlangt. Er riskiert seine Reputation, wenn er die Überlegung nicht anstellt. Spielt womöglich die Angst davor eine Rolle, nochmals einen “Fleischmann/Pons-Fall” zu generieren?
- Hierzu würde ich allerdings wiederum auf den ebenfalls gestrigen Beitrag zum Nachweis übernatürlicher Mächte verweisen. [↩]