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Wie rutscht man in einen Krieg?

bundeswehr_to_the_front.jpgWir sind im Krieg. Auch wenn hier die Autos fahren, die Ampels leuchten, der Strom fließt, die Kinder lachen, die Sonne scheint, das Bruttosozialprodukt steigt, wir sind im Krieg. Die Mehrheit hat beschlossen oder zeigt sich zumindest damit einverstanden, dass unsere Jungs die Freiheit auch am Hindukusch verteidigen.

Bisher klang es so, als ob wir die Bundeswehr als eine Art Technisches Hilfswerk nach Afghanistan geschickt haben: Brücken und Schulen bauen, mit Leuten reden, Kindern Bonbons geben, Gutes tun. Eine Mission, die offenbar Erfolg hatte (aber wer läßt sich nicht gerne von anderen Straßen bauen, die Wasserversorgung reparieren, die Arbeit schützen, das Viertel in Ordnung halten?).

Jetzt soll die Bundeswehr plötzlich auch da hin, wo es knallt, wo gekämpft und gestorben wird. Und man bekommt ein ungutes Gefühl dabei. Man wußte zwar, dass die anderen Nationen mit ihren Armeen bisher nicht nur mit ähnlich vertrauensbildenden Maßnahmen wie die Bundeswehr unterwegs waren, sondern dort gekämpft haben, Leute getötet haben, Krieg führen und dort sterben (und sich mit ihrer Kriegführung unter Umständen, wie man sich denken kann, bei der einheimischen Bevölkerung nicht gerade beliebt machen). Bei diesem Sich-unbeliebt-machen soll die Bundeswehr nun mitmachen. Und es stellt sich die Frage: wie rutscht man in einen Krieg?

Man “geht” eben selten in einen Krieg, man “kommt” dort nicht hin1, sondern oft “rutscht” man hinein. Das Hineinrutschen begann in Afghanistan mit einem ersten Engagement, mit quasi-humanitären Aktionen. Was folgte, waren mehr Soldaten, mehr Material, mehr Engagement.

Gewünscht wird nun von den Verbündeten mehr direkte Aktion, will heißen: mehr Kampfhandlungen und damit mehr Tote. Ein Motiv dafür: die Bundeswehr soll beim Blutzoll mit den anderen Nationen gleichziehen. Strategische Überlegungen können der gewünschten Verwicklung in Kampfhandlungen nicht zugrund liegen, denn einen “Sieg” sieht wohl niemand der Beteiligten als möglich an (trotz gegenteiliger Beteuerungen). In einem asymmetrischen Krieg gegen einen unsichtbaren Gegner ist Sieg nicht die Kategorie, um die es geht, bestenfalls kann es darum gehen, eine gute Ausgangsposition für einen Abzug oder für Gespräche mit den Widersachern zu gewinnen.

Ungeachtet all dieser Begehrlichkeiten und Tatbestände stellen sich folgende Fragen:

  • Macht es wirklich Sinn und hat es eine rationale Perspektive, dass deutsche Soldaten in Afghanistan sind?
  • Sollten wir dort wirklich Schulen wiederaufbauen, humanitäre Projekte sichern, Straßen bauen?
  • Sollten wir dort wirklich Krieg führen?

Weitere Überlegungen dazu auch schon vor fast 1,5 Jahren: Paranoia ist patriotisch.

  1. Übrigens so wenig, wie die Deutschen in Polen “eingetrudelt” sind, wie Max Goldt einmal treffend bemerkte []
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  • Motti

    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

    Schlechtes Benehmen halten die Leute nur für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. (Klaus Kinski)

    I cannot persuade myself that a beneficent and omnipotent God would have designedly created parasitic wasps with the express intention of their feeding within the living bodies of Caterpillars. (Charles Darwin)

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