Da sieht man es mal wieder, life is stranger than fiction oder auf deutsch: “Des glaubst net!”…
Man stelle sich einmal vor, die hochverehrte Frau Jelinek hätte ein Schreckensstück geschrieben, eine Moritat, ein Buch, ein Pamphlet, eine finstere Vision über Gewalt, Vergewaltigung, Inzest, Gefangenschaft, Grausamkeit, Lebenverpfuschen1. Und zwar über eine kreuzbrave, typische, eben “hochanständige” österreichische Familie, die in einer Wohnstraße ihre Kinder verbirgt, sie quält, vergewaltigt, mit ihnen Kinder zeugt, den eigenen Nachwuchs in einem Kerker über Jahrzehnte gefangen hält oder ihn im Heizofen verfeuert.
Was hätte es dann für einen (erneuten, so immer wiederkehrenden) Aufschrei gegeben wegen der anhaltenden Phantasielosigkeit der Autorin, wegen ihrem zwanghaften Österreich-Hass, wegen der maßlosen Übertreibung von kleinen, quasi unwichtigen Randphänomenen, wegen überhöhter, grundloser Gewaltphantasien, wo doch alles so schön aussieht im pittoresken Österreich, in dem die Sonne scheint, der See glitzert und die Wirtschaft boomt.
Und jetzt? Das Buch wurde so nicht geschrieben, sondern man macht die Nachrichten an und weiß nicht mehr, wo man zuerst weghören soll.
- Wobei das Lebenverpfuschen als Tat wohl strafrechtlich kaum relevant sein dürfte, deshalb aber nicht weniger verwerflich, vielleicht sogar das schlimmste Vergehen ist. [↩]