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Jean Ziegler spricht es aus

Jean Ziegler schreibt im Tagesspiegel über die Fabrikation von Hunger durch die Agrarsubventionen der EU. Ein Ausschnitt:

Knapp unter einer Milliarde Menschen wohnen in Afrika. Zwischen 1972 und 2002 ist die Zahl der schwerst und dauerhaft unterernährten Afrikaner von 81 auf 203 Millionen angewachsen. Warum? Es gibt mehrere Gründe für dieses Desaster. Der wichtigste Grund: die Landwirtschaftspolitik der Europäischen Union. Die Industriestaaten der OECD haben ihren Landwirten und Viehzüchtern im Jahr 2007 mehr als 350 Milliarden Dollar an Subventionen für Produktion und Export ausbezahlt. Insbesondere die Europäische Union praktiziert in Afrika das Agrar-Dumping. Das führt in erster Linie zur systematischen Zerstörung der afrikanischen Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln. Nehmen wir als Beispiel „Sandaga“, den größten Markt für gängige Konsumgüter in Westafrika. Sandaga ist eine lärmende, bunte, duftende, wunderbare Welt mitten in Dakar. Die Konsumenten können dort je nach Jahreszeit Gemüse und Obst aus Portugal, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland usw. kaufen – und zwar zu einem Drittel oder zur Hälfte des Preises der gleichwertigen einheimischen Produkte. Einige Kilometer entfernt arbeitet der afrikanische Bauer mit seiner Frau und seinen Kindern bis zu 15 Stunden pro Tag bei glühender Hitze – und hat nicht die geringste Aussicht, dafür ein anständiges Mindesteinkommen zu erhalten. Die Politik des landwirtschaftlichen Dumpings, die von Europa praktiziert wird, zerstört ihr Leben und das ihrer Kinder.

Der vollständige Text: Jean Ziegler: Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind. im Tagesspiegel vom 27.4.2008.

In der Tat gibt es zu denken, dass wir uns in einem hochentwickelten Industrieland mit sehr sehr sehr viel EU/Steuergeld die Sentimentalität leisten, so archaische Jobs wie den des Landwirts hoch zu subventionieren und am Leben zu erhalten. Man stelle sich vor, dieses Geld wäre in zukunftsträchtigere Branchen, etwa die Softwareindustrie o.ä. gegangen. Wer weiß, wie Deutschland und die EU jetzt dastehen würden. Fragt man Politiker nach den Gründen für die Subventionierung der Landwirtschaft, so wird ominös und fadenscheinig von der “Erhaltung der Kulturlandschaft” gefaselt. Ich hätte nichts dagegen, wenn statt der von Feldern karierten Kulturlandschaft (wieder) ein dichter grüner Wald wachsen würde. Oder werden die Landwirte nur als verläßliche Wählerschaft der CSU gepäppelt und am Leben erhalten, ähnlich ihrem hochgezüchteten Schlachtvieh nur zu einem Zweck gut?

Zuerst gelesen im Stralau-Blog: Und Gott zürnt.

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    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

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