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Urheberrechts-Professor empört sich über die Musikindustrie

Die Musikindustrie veröffentlichte am 26. April, am internationalen Tag des intellektuellen Eigentums, eine Aufforderung an Frau Merkel, sich des Problems des Schutzes des geistigen Eigentums anzunehmen. Unterzeichnen ließ die bisher nicht durch besonders kundenfreundliche oder fortschrittliche Lizenzmodelle auffallende Musikindustrie die von ihr finanzierte Anzeige durch jene, die bei ihr in Lohn & Brot stehen, u.a. Fatih Akin, Götz Alsmann, BAP, Roger Cicero, DJ Ötzi, Klaus Doldinger, Bernd Eichinger, Herbert Grönemeyer, Joachim Król, Michael Krüger, Peter Maffay, Michael Mittermeier, Nobelpenner, Oomph!, Prof. Dr. h. c. Wolfgang Rihm, Til Schweiger, Scooter, Seeed, Ralph Siegel, Söhne Mannheims, Tokio Hotel, Stefan Waggershausen (der lebt noch!) und Sönke Wortmann.1

Auch wenn man bei einigen der Unterzeichner eigentlich nicht sicher sein kann, ob sie denn tatsächlich über erwähnenswertes geistiges, geschweige denn musikalisches Eigentum verfügen, so ist doch erstaunlich, wie einfach (und falsch) man die Welt sehen kann, wenn man sich einem business as usual verpflichtet hat.

Der Münsteraner Rechtsprofessor und Urheberrechtsexperte Thomas Hoeren hat jetzt in einer Entgegnung seinem Ärger über vereinfachende Sichtweisen, falsche Zahlen, unlautere Praktiken und den exorbitanten Starrsinn der Musikindustrie Luft gemacht, hier nachzulesen: Worüber ich mich ärgere: Der offene Brief der Musikindustrie. Ein Zitat daraus:

Ich habe langsam die Nase von den Frechheiten der Musikindustrie voll. Undifferenziert wird auf Nutzer und TK-Industrie eingeschlagen. Falsche Zahlen (70% der TK-Nutzung seien illegaler P2P-Verkehr) werden kombiniert mit schrägen Vergleichen gerade mit dem Zensurland China und dubiose Zitate just von Mark Getty (”Geistiges Eigentum sei das Öl des 21. Jahrhunderts”). Die eigenen Haussklaven werden als Unterzeichner vorgeschickt und instrumentalisiert, statt sich mal zu fragen, ob man nicht als Musikindustrie angemessene Salärs an Kreative zahlt. Jede differenzierte Auseinandersetzung fehlt: Hat nicht der Gewinneinbruch in der Musikindustrie noch andere Gründe als P2P? Kann die TK-Industrie überhaupt effektiv den Zugang zu Websites sperren? Ist nicht Urheberrecht geprägt durch eine komplexe Suche nach einem Gleichgewicht zwischen schützenswerten Urheber-, Verwerter- und Nutzerinteressen?

Thomas Hoeren stellt im Internet übrigens das ständig aktualisierte Skript Internet-Recht als PDF-Datei zum Download bereit. Es gibt Auskunft über die aktuelle Rechtsprechung zum Urheberrecht, Domainrecht, Fernabsatzrecht und Impressumspflichten.

  1. Was für eine Mischung! Und das die alle in der Sache einer Meinung sind, unglaublich! []
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    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

    Schlechtes Benehmen halten die Leute nur für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. (Klaus Kinski)

    I cannot persuade myself that a beneficent and omnipotent God would have designedly created parasitic wasps with the express intention of their feeding within the living bodies of Caterpillars. (Charles Darwin)

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