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Meer Abenteuer II: Kannibalische Hunde

Wir hatten ja schon einmal aus unserer momentanen Lieblingslektüre zitiert, dem spannenden Reisebericht des großen Georg Forster, verfasst nach seiner Reise um die Welt mit James Cook in den Jahren 1772-1775. Hier ein weiteres schönes Beispiel für die Merkwürdigkeiten, die man dort lesen kann:

Die Officiers, denen nach der Neu-Seeländischen frischen Kost das eingesalzne Fleisch noch nicht wieder schmecken wollte, ließen ihren schwarzen Hund, dessen ich oben Seite 120 u. 130 erwähnt habe, abschlachten, und schickten dem Capitain die Hälfte davon. Wir ließen die Keule braten und speisten solchergestalt heute zum erstenmale Hundefleisch. Es schmeckt vollkommen wie Hammelfleisch, so daß nicht der geringste Unterschied zu bemerken war. In unsern kalten Ländern, wo Fleisch-Speisen so üblich sind, und wo es vielleicht des Menschen Natur oder unumgänglich nöthig ist von Fleisch zu leben, ist es warlich sonderbar, daß man einen jüdischen Abscheu gegen Hundefleisch hat, da doch das Fleisch von dem unreinlichsten aller Thiere, nämlich vom Schweine, ohne Bedenken gegessen wird. In Betracht seiner schnellen und häufigen Vermehrung, scheint die Natur den Hund ausdrücklich dazu geschaffen zu haben, daß er uns zur Speise dienen solle. Man könnte vielleicht besorgen, daß es uns, wegen der natürlichen Fähigkeiten unserer Hunde, schwer ankommen möchte sie umzubringen und zu essen.
Allein in dem Fall bedenkt man nicht, daß ihre großen Fähigkeiten und ihre Anhänglichkeit an uns blos Folgen der Erziehung sind, die wir an sie wenden! in Neu-Seeland und, wie ältere Seefahrer melden, auch in den Inseln der Süd-See, zwischen den Wende-Cirkeln, sind die Hunde das dummste und einfältigste Thier das man sich vorstellen kann. Sie scheinen daselbst um nichts klüger und gelehriger zu seyn als unsre Schaafe, die man für Sinnbilder der größten Einfalt und Dummheit gelten läßt. in Neu-Seeland werden sie mit Fischen gefuttert; in den andern Inseln mit Früchten und Kräutern. Vielleicht verändert beydes ihre natürliche Anlage; vielleicht bringt auch die Erziehung neue Instincte hervor. Die Neu-Seeländischen Hunde kriegen was von ihrer Herren Mahlzeiten übrig bleibt, mithin auch andere Hundeknochen abzunagen; und so werden die jungen Hunde, von Klein auf, Cannibalen. Wir hatten einen jungen Neu-Seeländischen Hund an Bord, der, wie wir ihn kauften, wohl noch nichts als Muttermilch geschmekt hatte, gleichwohl fras er von dem heutigen Hundebraten, das Fleisch so gut als die Knochen, mit großer Gierigkeit, dahingegen andre, von europäischer Art, die wir vom Cap [der Guten Hoffnung] mitgenommen, beydes nicht anrühren, geschweige denn fressen mochten.

Junius 1773, Dr. Johann Reinhold Forster’s Reise um die Welt, auf Kosten der Grosbrittannischen Regierung zu Erweiterung der Naturkenntniß unternommen und während den Jahren 1772 bis 1775 in dem von Capitain J. Cook commandirten Schiffe the Resolution, ausgeführt. Beschrieben und herausgegeben von dessen Sohn und Reisegefährten George Forster. Vom Verfasser selbst aus dem Englischen übersetzt. Neu erschienen als: Georg Forster: Reise um die Welt. Illustr. von eigener Hand. Frankfurt/M. 2007, S. 168f.

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