Natürlich muss man überhaupt nichts wissen, denn kein Mensch muss. Aber wer will, der oder die soll ruhig. Mit einer gewissen Skepsis habe ich allerdings die (vor hundert Jahren, also Ende der Neunziger) aufkommenden Bände über “Bildung” zur Kenntnis genommen, in denen offenbar schwer gestressten oder auch im sonstigen Leben mit Kurzversionen zufrieden zu stellenden Menschen weisgemacht wurde, sie könnten sich “Wissen” und “Bildung” in einem Band zulegen und aneignen, also die in einigen Science-Fiction-Filmen gezeigte Hirn-/Wissensübertragung-in-wenigen-Sekunden über Drähte in den eigenen Kopf mit einem einfachen Buchkauf zuwege bringen.
Die Nicht-gelesen-Quote dürfte bei diesen Büchern ähnlich hoch sein wie bei Musils Mann ohne Eigenschaften,1 aber dieses Schicksal teilen ja eh zu viele Bücher. Wobei zu bedenken wäre, ob ein nicht gelesener Ovid weniger schwer wiegt als ein nicht gelesener “Bildung”-Band. Jedenfalls, und darum geht es hier eigentlich, das hier gehört auf jeden Fall zu einer soliden abendländischen Bildung:
Und wenn mich meine Erinnerung an Jürgen Kuttners Videoschnipsel in der Berliner Volksbühne nicht täuscht, dann schlug Joseph Beuys in seiner Ekstase auch noch mit dem Mikrofon auf diese blecherne Platte des Schlagzeugers (Zimbel? Hi-Hat?), der Super-GAU eines jeden Toningenieurs. Das zeigt diese Version leider nicht mehr.
So, genug Bildung für heute. Morgen gibts wieder Heidegger oder sowas.
- Mein Tipp für Geselligkeiten im Bekanntenkreis: mit Martini/Cocktail/Astra (je nach sozialer Peer-Group) am Bücherregal entlangstreifen und nach dem Mann ohne Eigenschaften suchen. Falls die Gastgeber ihre Bücher nach Farben sortiert haben sollten (Bei Menschen, die sich “Bildung”-Bände kaufen, soll das vorkommen): meistens handelt es sich um die Ausgabe mit dem schwarzen Schutzumschlag. Gefunden? Dann einfach mal aufschlagen und nach dem Lesezeichen zwischen den Seiten 130 und 230 suchen, die Trefferquote ist erstaunlich hoch. [↩]