Im Flugzeug neben einer neunjährigen Lara und einem elfjährigen Ian lernt man viel über die heutigen Wege des Aufwachsens.
Beide spielten begeistert mit ihrem elektronischen Riegel, den sie fest in den Händen hielten, um wunderliche Figuren durch Labyrinthe zu steuern. Die neunjährige Lara wollte sich mit Ian unterhalten, der aber nur englisch sprach, so dass der erwachsene — eigentlich lesen wollende — Beisitzer den Übersetzer spielen musste. Ein etwas phlegmatischer Ian zeigte jedoch wenig Interesse an dem jüngeren Mädchen, wollte lieber leuchtende Bonuspunkte in seinem Spiel einsammeln. Das Flugpersonal kümmerte sich eifrig um die beiden Kleinen, die mit umgehängten Plastiktaschen, in den Tickets und weitere Papiere steckten, wie aufgegebene Pakete aussahen.
Doch alle Bemühungen der Erwachsenen um das Wohlergehen der beiden Kleinen liefen ins Leere, denn beide stellten sich als routinierte Flieger heraus, die offenbar mehrmals im Jahr quer durch Europa jetteten und denen im Flugzeug niemand etwas vormachen konnte. Kein Blick aus dem Fenster, das Fliegen war Normalität wie eine Busfahrt. Beide waren Scheidungskinder, deren Eltern an unterschiedlichen Enden Europas zuhause sind und die sich ihre Kinder jeweils via Luftlinie gegenseitig zuschicken. Die kleine Lara sprach nach eigenem Bekunden vier Sprachen, konnte sich aber nur an drei erinnern. So ist das mit dem jugendlichen Scheidungs-Jetset.