betonblog.de Blog für schwere Gedanken.

100 € für ein Kind, 2500 € für ein Auto

Ob das etwas über unser Land aussagt, wenn es demnächst an der Tür klingelt, der Postbote das Konjukturpaket der Bundesregierung bei einer Durchschnittfamilie abgibt und es darin heißt?:

Herzlichen Glückwunsch,

Sie bekommen von uns für Ihr Kind 100 € (das Kind dürfen Sie behalten) und für ein neues Auto 2500 € (das alte Auto müssen Sie aber verschrotten).

Ist das alles nicht komplett altes Denken, die naive Vorstellung, die Familie sei die Keimzelle des Staates und durch Autobauen könnte man noch bestehen in einer globalisierten Welt?

Wird hier nicht gleich in zwei untergehende Auslaufmodelle, das spritfressende Status-Auto und die Status-Familie, investiert? Beide haben Schiffbruch erlitten, beide haben an Attraktivität verloren, beide erweisen sich als unzeitgemäß und trotzdem fällt den den selbsternannten Krisen-Managern nur ein, den Konsum zu stimulieren und die gute alte Muster-Lebensform zu honorieren?

Warum fördert man nicht innovative Technologien, etwa die Softwareindustrie (in Deutschland bis auf SAP bisher so gut wie gar nicht vorhanden) oder alternative und regenerative Energien? Warum sieht man in einer immer älter werdenden Gesellschaft mit immer weniger Einwohnern nicht, dass man die nächsten hundert Jahre nicht mit den gleichen Industrien und Ideologien zubringen kann, die sich in den letzten hundert Jahren ohnehin nur teilweise bewährt haben? Liegt das daran, dass von Banken veursachte Probleme jetzt von Banken gelöst werden sollen? Dass Konzerne den Weg aus ihrer Krise wieder nur im Noch-mehr-Verkaufen sehen?

Wo ist der Mensch, der dieses alte behäbige Denken zerreisst, der offen und ehrlich sagt, dass man alte Strukturen über den Jordan gehen lassen muss? Wie sollen ins Geld vernarrte alte Männer Lösungen finden, die mehr Lebensqualität für alle bedeuten (übrigens auch die nachfolgenden Generationen, denen wir gerade ihre Bonität verhageln). Warum werden die Kosten für die Behebung der Krise nicht komplett der jetzt lebenden Generation auferlegt, sondern bequem auf die folgenden Generationen verschoben, die zur Sache nicht befragt werden können?

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Gedacht und getagged , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

 
  • Motti

    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

    Schlechtes Benehmen halten die Leute nur für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. (Klaus Kinski)

    I cannot persuade myself that a beneficent and omnipotent God would have designedly created parasitic wasps with the express intention of their feeding within the living bodies of Caterpillars. (Charles Darwin)

  • Kategorien

  • Archiv

  • Folgen

  • Seiten