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Hitler-Hippie-Käfer

“Wir sind 60!” Ob die Bildzeitung das demnächst auch zum Besten geben wird nach ihrer Vorgabe “Wir sind Papst!”? Möglich wäre es, denn die gute alte Tante Bundesrepublik wird in diesem Jahr eben jenes Jubiläum feiern.

Gut deutsch, wie sie nunmal ist, hatte die Republik allerdings (haben wir da gerade “hatte” gesagt?) den einen oder anderen Geburtsfehler oder, sagen wir mal, schlechte Vorfahren. Dessen ungeachtet will der Volkswagenkonzern aber “60 Jahre Volkswagen” mitfeiern und, wie ein ungezogener kleiner Hänfling (oder sollte man Pimpf sagen?) mit an der Tafel sitzen, obwohl er doch schon ein paar Jährchen älter ist.

Die FAZ hat es bemerkt und schreibt in ihrer heutigen Ausgabe:

Sechzig Jahre Volkswagen … sechzig? Wenn wir uns nicht verrechnet haben, wurden hier ein paar Jährchen unter den Nierentisch gefegt – schließlich war der Volkswagen, Treuhänderschaft hin oder her, als es 1949 mit Bundesrepublik, Buttercremetörtchen und Touren nach Italien losging, schon zehn Jahre alt und hatte, unter seinem alten Namen KdF-Wagen, auch schon ein paar Touren nach Polen hinter sich. Historisch korrekt müsste es also eher heißen: „Siebzig Jahre Wertigkeit – gemeinsam hatten wir viel vor. Gemeinsam haben wir viel erlebt, was wir lieber nicht erlebt hätten“ – aber das ist sowieso eine der erstaunlichsten ikonographischen Wendungen in der Produktmythologie des zwanzigsten Jahrhunderts: wie der KdF-Wagen, den Porsche in den dreißiger Jahren im Auftrag Adolf Hitlers entwarf, nur ein Vierteljahrhundert später, ästhetisch völlig umcodiert, zum Lieblingsgefährt amerikanischer Teenager und Hippies wurde, die ihm Wimpern anmalten, ihn Herbie nannten und überhaupt als lustiges, defensives Blechkugeltierchen betrachteten, als motorisierten Gegenentwurf zu den aggressiven amerikanischen Muscle-Cars.

Man kann diesen Weg von Hitler zu Herbie nur als eine subtile Form von Exorzismus lesen.

Hier der ganze Kommentar: Hitler und Herbie.

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    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

    Schlechtes Benehmen halten die Leute nur für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. (Klaus Kinski)

    I cannot persuade myself that a beneficent and omnipotent God would have designedly created parasitic wasps with the express intention of their feeding within the living bodies of Caterpillars. (Charles Darwin)

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