“Unsere Ersparnisse, die uns jetzt endlich erspart bleiben werden”, besingt der “Chor der Werktätigen”. Hinweggerafft hat sie der “freie Unternehmergeist” – “fürchten Sie ihn, wenn Sie ihn sehen”. Die Banker – der “Chor der Greise” – antworten: “Damit müssen Sie sich abfinden, so wie wir uns mit unseren Abfindungen abfinden müssen.” Das Geld, das arbeitet jetzt nicht mehr, das ruht sich jetzt aus, im Real Estate Heaven.
So zitiert die TAZ aus Elfriede Jelineks neuem Stück “Die Kontrakte des Kaufmanns”. Und weiter:
Nichts ist schwerer zu dramatisieren als das Börsengeschehen. Umso fulminanter geriet diese Show. Der komplexe, zeitgenössische Kapitalismus ist weder irrational, noch ist er jenes rationale Geschehen, als das ihn die Anhänger der “Rational-Markets-Hypothese” darstellen. Eher: eine absurde Rationalität. Banker sind hier in der Position, sich Gehalt und Abfindung selbst zu genehmigen. “Warum sollte so jemand, um sich zu bereichern, ein Verbrechen begehen?” Kleinanleger kaufen Verluste, die sie für Gewinne halten. “Wir haben ins Nichts investiert”, rufen die Investoren. In “forderungsbesicherte Wertpapiere”. Also in Schulden. In “weniger als nichts”. Würde ein Revolutionsdirektorum dieses System übernehmen wollen, es fände buchstäblich NICHTS vor. “Wir haben in ein Unternehmen investiert, das es gar nicht gibt.” Man investiert ins Nichts, das Nichts vermehrt sich, das Nichts wird über die ganze Welt verkauft – das, so Jelineks Pointe, ist die absurde Rationalität der Finanzmärkte.
Hier der ganze schöne Artikel, der einen herzhaft lachen läßt über die substanzlosen Flatlands der Bankenwelten: Fürchtet den Unternehmergeist! von Robert Misik