Was soll man noch sagen zu jemandem, der sich selbst eine Zeitschrift gründet, um sie dann komplett selbst zu füllen? Und das vor allem, um seiner Zeit und seinen Zeitgenossen seinen abgrundtiefen Ekel vor ihnen darzubringen?
Aaaaaaah, Misanthropie wird ja hoffnungslos unterschätzt und manchmal wünscht man sich jemand, der Abwrackprämie, Merkel, Bänker, das ganze Sich-Jobs-und-Aufsichtsratplätze-zuschanzende-Gesums in einem Aufwasch erledigt. Und das man sich so etwas als Namensschild an die Tür hängen könnte:
Ich
lese keine Manuskripte und keine Drucksachen,
brauche keine Zeitungsausschnitte,
interessiere mich für keine Zeitschriften,
begehre keine Rezensionsexemplare und versende keine,
bespreche keine Bücher, sondern werfe sie weg,
prüfe keine Talente,
gebe keine Autogramme […]
besuche keine Vorlesungen außer den eigenen […]
erteile keinen Rat und weiß keinen,
mache keinen Besuch und empfange keinen,
schreibe keinen Brief und will keinen lesen und
verweise auf die völlige Aussichtslosigkeit jedes Versuchs, mich zu irgendeiner der hier angedeuteten oder wie immer beschaffenen, schon in ihrer Vorstellung meine Arbeit störenden, mein Missbehagen an der Außenwelt mehrenden Verbindungen mit eben dieser bestimmen zu wollen, und habe nur noch die Bitte, die auf alle derlei Unternehmungen vergeudeten Porto- und sonstigen Kosten von jetzt an der Gesellschaft der Freunde Wien I, Singerstraße 16, zuzuwenden.
Also, was soll man sagen? Natürlich (etwas verspätet): Herzlichen Glückwunsch, lieber Karl Kraus! Die Leute, gegen die Sie eine solch gewaltige Abneigung hatten, von denen spricht schon heute oder in 30 Jahren kein Schwein mehr. Aber Sie können im Dichterolymp Ihren Nachruhm unter den Erdlingen in aller Ruhe und Zufriedenheit betrachten.