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Opelband in Bauernhand

Ja, genau, so machen wir das: noch mehr Milchbauern, noch mehr Autos und noch mehr Kaufhäuser…

Gibt es heilige Kühe? Natürlich! Zum Beispiel unsere Milchbauern, unsere Autos und den hemmungslosen Kaufrausch. Das wollen wir nicht missen, das wollen wir weiter so machen.

Wir wollen immer weiter und immer schneller mit einer niegelnagelneuen Karre an endlosen grünen Feldern mit Fantastilliarden von Kühen darauf vorbeibrettern, während uns die Bauern glücklich vom Straßenrand zuwinken und wir auf dem Weg ins nächste Einkaufsparadies sind. Denn wir brauchen mehr Autos, mehr Bauern, mehr Kühe und mehr Nippes-Krams, mit dem wir unsere Wohnungen zustellen können.

Wir brauchen jeden Milchbauern, wirklich jeden einzelnen. Weil wir sie einfach so lieben, diese bärtigen Gestalten, die in blauen, verschmutzten Hosen durch den Stall stampfen, bewaffnet mit einer Mistgabel und einer Ladung Kuhfutter. Wir hören sie gerne, diese amüsanten Geschichten von unseren Bauern, dass sie jede Milchkuh mit Namen kennen, dass jede Kuh einen eigenen Charakter hat und dass sie die großen Augen der Tiere so gerne haben (während hinten am Bildrand die Bauersfrau etwas beleidigt die Milchkübel davon trägt). Wir mögen unsere Bauern, wenn sie Frauen suchen, wenn sie Mist vor Ministerien kippen und wenn ihre rotgesichtigen Funktionäre darüber schwadronieren, dass es um “Kultur” und “Landschaftspflege” und “Kulturlandschaften” geht. Es muß tief, ganz tief in uns drin eine archaische Ideologie sein, die uns sagt, dass wir diese Bauern brauchen. “Und wenn dann alle Bauern in Deutschland verschwunden sind, dann werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann” – hieß das nicht so in den 80ern? Oder sollten wir sogar noch eine ganz andere Ideologie, eine viel dunklere in uns haben, die uns schicksalsträchtig zuraunt, dass es sich mit den Bauern ähnlich verhält wie mit den Raben im Londoner Tower: das Land wird untergehen, wenn wir keine Bauern mehr haben?

Wir wollen weiter Autos bauen. Und zwar spritfressende, schnelle Autos. Auch wenn die Welt sich verändert, das CO2 uns langsam die Welt etwas ungemütlich macht, wenn unsere Mobilität ins Absurde geht, wenn das Öl ausgeht: wir wollen weiter Autos bauen. Und selbst wenn sie niemand mehr kaufen will, wollen wir sie einfach weiter bauen, um des Bauens willen. Denn uns macht es einfach Spaß, wir sind nunmal Arbeiter der Faust und wollen schrauben, basteln, frisieren, lackieren, reparieren und irgendwas mit Schraubenschlüsseln machen. Auch wenn die Welt sich weiterentwickelt hat, der reichste Mann der Welt weder ein Eisenbahnmogul noch ein Ford ist, wir lieben ganz einfach dieses nach Öl, Benzin und Schweißbrand riechende Zeitalter.

Und Glück, das ist für uns immer noch, genügend Geld in der Tasche zu haben, um sich allerhand Krimskrams zu kaufen, nutzloses Zeug, jede Menge Tand, alles Dinge, die wir nicht brauchen oder die wir uns einfach nur angucken wollen. Zum Beispiel in einem Kaufhaus. Wir kaufen dort zwar nichts mehr, denn es gibt dort keine Beratung, kaum Verkäufer und schon gar keine informierten Verkäufer oder gar Verkäufer, die für ihr Sortiment auch nur die geringste Leidenschhaft aufbringen würden ((Wie lebt sich das wohl in einer Trikotagen- oder Computer-Abteilung, wenn man wirklich überhaupt kein Interesse an den verkauften Dingen hat, geschulte Marketing-Blasen ablässt (“Die Apple-Rechner sind gar nicht kompatibel zu PC, nehmen Sie lieber den hier.”) und den oft duch das Internet bereits schlau gewordenen Kunden grundlegende Fragen nicht beantworten können. Wir kaufen deshlab längst online, denn dort gibt es nicht nur echte Preisvergleiche, sondern auch jede Menge Informationen zu den Produkten. Aber unsere Kaufhäuser wollen wir trotzdem behalten.

Deshalb: Opelband in Bauernhand. Und die zusammengeschusterten Karren stellen wir ins Kaufhaus. Die geschlossenen oder zu schließenden Hertie-, Woolworth und Karstadt-Filialen benötigen ja gerade eine Zwischenutzung, das wären doch ideal “Showrooms”.

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    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

    Schlechtes Benehmen halten die Leute nur für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. (Klaus Kinski)

    I cannot persuade myself that a beneficent and omnipotent God would have designedly created parasitic wasps with the express intention of their feeding within the living bodies of Caterpillars. (Charles Darwin)

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