Was denn, was denn, kaum stirbt Herr Jackson, schon mögen plötzlich alle diesen hirnlosen Pop?
Erstens hat er nur ein wirklich gutes Lied gemacht, nämlich “Billy Jean” (und auch hier sind eigentlich nur die ersten 30 Sekunden überzeugend).
Zweitens: Wenn Musiker tanzen, ist immer, wirklich immer ihre Musik so schlecht, dass sie ihr Publikum noch mit etwas anderem bei der Stange halten wollen, s. diese unseligen Boygroups und zusammengewürfelten 3-5-hübsche-Mädchen-singen-und-tanzen-Bands.
Videos mit Werwölfen und Zombies? Hallo?
Schon 1983 hielt ich diesen ganzen Aufwand der Videos, dieses kitschige, extrem überdreht Gehabe für ein letztes Zucken oder Wiederauftauchen der ehemals gigantomanen Rockbands der End-70er, die nur noch mit riesigen Licht- und Soundshows überlebten. Und siehe da, schaut man sich heute die Auftritte von Herrn Jackson an, kommt das eher wie eine Osram-Werbeveranstaltung oder ein pyrotechnischer Budenzauber daher, in dem Musik (um ganz zu schweigen von guter Musik) keine Chance hat.
Diese ganze Metamorphose von Herrn Jackson zu einem Weißen, von ihm selbst u.a. kaschiert mit dem Hinweis auf eine merkwürdige Hautkrankheit: krank, wirklich krank.
Die unendlichen Schönheitsoperationen (es ist von 50 die Rede) und das fortwährende Herumschnippeln an der Nase, die am Ende aussah wie ein angetackerte Pappnase: mannomann, das ist also Pop?
Das Herumlaufen mit einem Mundschutz, das ganze schrullige Gehabe bei Auftritten: sehr schräg, um es gelinde auszudrücken.
Dann das ganze Rummachen mit kleinen Kindern. Es ist doch wirklich interessant, wie salonfähig das Ganze offenbar ist, wenn man ein Popstar ist. Zeigte die ganze Gesellschaft hier nicht so eine Wird-schon-nicht-so-schlimm-sein- und Lasst-doch-dem-älteren-Herrn-sein-bisschen-Spaß-Haltung?
Am besten hat uns das hier in der Wikipedia über einen seiner Prozesse wegen Kindesmißbrauch gefallen:
Medienberichten zufolge erlitt Michael Jackson am 15. Februar 2005 auf dem Weg in den Gerichtssaal einen Schwächeanfall und wurde in die Notaufnahme eines Krankenhauses eingeliefert. Nach mehreren skurrilen Auftritten − unter anderem erschien Jackson in einem Pyjama zur Verhandlung und verlangte eine Vertagung, weil er einen Spinnenbiss in den großen Zeh erlitten habe − wurde an Jacksons Zurechnungsfähigkeit gezweifelt.
Apropos Zurechnungsfähigkeit: man kann gerne mal die Probe aufs Exempel machen und bei den ganzen jetzt ach so traurigen selbsternannten Jacksonologen nachfragen, wie denn sein letztes Album hieß. Die wenigsten werden es wissen.
3 Kommentare
Nee, da haste schon recht, die Erwähnung der Umstände selbst ist nicht unschön. Würde man sagen „Laßt doch dem älteren Herrn sein bisschen Spaß“, würde man Pädophilie saolnfähig machen. Das tut man aber nicht, wenn man von Jacksons Unschuld ausgeht, solange es keine Beweise in der eigentlichen Sache gibt.
Ich halte es für möglich, daß Jackson bei der Zahlung davon ausging, ein Verfahren (selbst wenn er unschuldig ist) würde über zu lange Zeit Medienterror bringen — in Ruhe abwarten ist da wahrscheinlich nicht, wenn man so bekannt ist.
Rauskriegen wird man es aber jetzt wohl nicht mehr.
Ich gebe ihnen recht, was die Musik betrifft: furchtbar. Aber bei den Kindesmißbrauchsgeschichten ist er in allen Punkten freigesprochen worden und dabei sollte man es — wenn es keine Anhaltspunkte dafür gibt, daß im Prozeß etwas schiefgelaufen ist — auch belassen, finde ich, sonst wirds schnell unschön.
Nun, Anhaltspunkte gibt es ja solche und solche, ich zitiere mal aus der Wikipedia:
Davon kann man halten, was man will, aber es klingt nicht gerade so, als ob da jemand in aller Ruhe zuhause auf dem Neverland-Sofa ein Verfahren abwartet, weil er weiß, dass er als strahlender unschuldiger Sieger aus dem Ganzen herauskommt. Wie bei so vielen anderen Prozessen gegen sehr reiche Angeklagte (aus der jüngeren Vergangenheit sei hier nur erwähnt die Steuerhinterziehung von Herrn Zumwinkel) kommt es einem doch so vor, als ob hier zweierlei Maß angelegt wurde. Wenn die Erwähnung solcher zweifelhaften Umstände “unschön” ist, dann ist es wohl besser, “unschön” zu sein.