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Ach so, liebe Bauern, das ist der Vorruhestand?

Liebe Bauern, ich verstehe schon sehr gut, dass Ihr vom Staat 500 € “Abschlachtprämie” für eine Milchkuh haben wollt. Es gibt ganz einfach zu viele von euch, sorry, ich meine natürlich von den Milchkühen. Aber überlegt mal: Ihr bekommt für eine Kuh, wenn ihr sie beim Schlachthaus abgebt, 900 €. Wenn wir, die Steuerzahler, euch jetzt 500 € “Schlachtprämie” dazugeben und ihr gebt dann die tote Kuh beim Schlachthaus ab, dann bekommt ihr 1400 € für eine Kuh, die gerade mal 900 € wert ist.

Merkt euch bitte eines:
1.) Es gibt zuviele Bauern.
2.) Wir wollen euren Lebenstil mit riesigen Häusern, privilegierter Wohnlage und Ländereien nicht weiter finanzieren.1
3.) Das Gejammer über niedrige Milchpreise können wir nicht mehr hören. Wir sind nicht dafür da, überkommene, nicht mehr zeitgemäße Industriezweige mit Almosen aus unseren Steuergeldern am Leben zu erhalten.
4.) Nein, wir sehen eure Arbeit auch nicht als Arbeit an der Erhaltung einer “Kulturlandschaft”. Im Gegenteil, wir freuen uns auf weniger Felder und mehr Wälder, m.a.W. natürliche Natur, keine bearbeitete. Demnächst machen wir Urlaub im “Schwäbischen Wald” oder wie die neuen Waldgebiete heissen werden.
5.) Wir hätten gerne weniger von euch, die weniger, aber dafür bessere Lebensmittel produzieren, meinetwegen biologisch-dynamisch oder wie das heisst.

Und noch was, liebe Bauern. Helmut Born, der Generalsekretär des Bauernverbandes, sagt über die von euch gewünschte Schlachtprämie in der FAZ:

Wenn man drei bis fünf Prozent der Milchkühe über ein solches Vorruhestandsprogramm aus dem Markt nähme, würde das einen Anstoß geben, damit die Preise aus der Talsohle kommen.

Das ist also ein Vorruhestandsprogramm? Wenn man die Tierchen abschlachtet?

Vielleicht, liebe Bauern, denkt ihr das nächste Mal einfach kurz (kurz reicht völlig!) darüber nach, was ihr so von euch lasst, bevor ihr die Forke und den Traktor mit einem Stift oder einer Tastatur verwechselt. Wenn wir nämlich weiter so einen Schwachsinn lesen müssen, werden wir uns über euren Vorruhestand Gedanken machen müssen.

  1. Ich weiß, ich weiß, klingt hart, aber man muss das auch mal so sehen. Ansonsten sucht euch doch einfach mal eine Stadtwohnung und einen zukunftsfähigen Job (das machen nämlich ganz ganz viele Leute so), dann seht ihr, wie schön das Landleben ist. []
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Ein Kommentar

  1. Erstellt am 27.07.2009 um 5:14Uhr CET | Permanent-Link

    Nach einigem Nachdenken bin ich zu dem Schluß gekommen, das bestätigen zu müssen: Ja, alle Bauern sollten in die Stadt ziehen. Da hätten sie als Städter dann genügend Auslauf im Heimatmuseum Landwirtschaft. Und die weltweite Nahrungsmittelindustrie entginge der Verarmung. Ich bin nämlich, wie Sie, zur letztendlichen Erkenntnis gekommen, daß Milch aus der Tüte kommt wie Strom aus der Steckdose. Und Erd-, sowie Himbeeren oder Kirschen et cetera allesamt aus der spanischen Wüste.

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    Ich finde Niemanden, der so häufig Recht hätte, wie ich ! (Arno Schmidt: Die Umsiedler, BA I/1, S. 275)

    Das Verzweifelte, daß die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre. (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 243)

    Schlechtes Benehmen halten die Leute nur für eine Art Vorrecht, weil keiner ihnen aufs Maul haut. (Klaus Kinski)

    I cannot persuade myself that a beneficent and omnipotent God would have designedly created parasitic wasps with the express intention of their feeding within the living bodies of Caterpillars. (Charles Darwin)

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