27.07.2009
Lieber Pons-Verlag,
vielen Dank für die Zusendung Deiner wirklich amüsanten Werbung. Nicht nur haben wir von Dir ein reizendes Schulheft in einem jener Schutzumschläge bekommen, die uns durch 12 elende Schuljahre begleitet haben (und die offenbar auch in den letzten 25 Jahren ohne jegliche Geschmacksverbesserung oder auch nur Veränderung geblieben sind).
Viel besser hat uns aber darüber hinaus die sogar handgeschriebene Beurteilung eines unserer Blogbeiträge inklusive Korrektur gefallen.1
Nicht nur finden wir die Werbeidee sehr nett, denn wer, wenn nicht ein Blogschreiber, (hoppla, kommt da wirklich ein Komma hin?) hat heute echten Bedarf für ein Wörterbuch (oder sollten wir hier das Unwort in den Mund nehmen und sagen, dass man als Schreiber immer einen “Duden”2 neben sich auf dem Tisch liegen haben sollte?)3 Wir finden auch die liebevolle Ausführung mit dem Schulheft, dem beigelegten Blatt Löschpapier und der schreiend roten, uns in schlimmste Schulzeiten zurückversetzenden Tinte sehr angenehm (so weit es uns das nicht-romantisierende, stetig weiterwirkende Schultrauma erlaubt).
Also, lieber Pons-Verlag, schöne Aktion. Auch wenn wir sonst Werbung in Blogs und gekaufte Blogger zum Kotzen finden, so wissen wir doch zu unterscheiden zwischen dem marktschreierischen Marketing-Scheiß von Vodafail & Konsorten und so einer netten kleinen unaufgeregten Aktion und wollen Dich hier als Gegenleistung auch erwähnen (die Erwähnung wird die Währung des 21. Jahrhunderts werden, das Internet wird, so wie die Scientific Community über Fußnoten, nur noch über Links funktionieren. Wenn es nicht verlinkt ist, existiert es nicht.).
Zum Übersetzen benutzen wir allerdings, nichts geht über die hohe Qualität von Open Source, Update: einer Leo GmbH (s. Kommentar), doch lieber weiterhin Leo. Aber das mit dem Onlinewörterbuch werden wir uns überlegen, denn regelmäßig ärgern wir uns, dass der Duden zwar halbamtlich und -staatlich daherkommt, aber sein Wissen nicht frei online zur Verfügung stellt.
Und, liebe Frau Lehrerin Anne Pelzer, die Note “2+” trifft tatsächlich im großen und ganzen unsere damalige Deutsch-Note.
PS: Wir finden die uns zuteil gewordene Korrektur übrigens nicht ganz korrekt. In unserem Satz
Und die Werbung mit Kussmund-Kirschen: ach, Welt, ach, ach, ach, wo taumelst Du hin? Wo ist sie hin, die Schönheit? Wo ist die Ästhetik früherer Werbejahre?4
sehen wir das “ach, Welt, ach, ach, ach” natürlich als spezielle Angabe oder Erklärung. Nach der neuen Rechtschreibung darf man da ja auch nach dem Doppelpunkt klein weiterschreiben, gell? Na ja, sei’s drum, wir wollen nicht päpstlicher sein als der Papst, den wir ohnehin nicht mögen.
- Und wir zittern jetzt natürlich bei jedem neuen Beitrag, dass (wenn man nicht “dieses”, “jenes” oder “welches” einsetzen kann, dann mit ß, das (!) man aber heute ss schreibt) irgendein Deutschlehrer oder Deine werte Frau Pelzer wieder bei uns vorbeischaut und erneut den Rotstift zückt. [↩]
- Hier eine Übersicht über die Markennamen, die es zu einem Gattungsbegriff gebracht haben. [↩]
- Und bemerkenswerterweise wehrt sich ja gerde der Duden zumindest bei uns gegen eine digitale Version. Das Blättern und Schmökern ist eben doch angenehmer als das Markieren eines Wortes und das Warten auf Antwort. [↩]
- Die Welt, ein Hähnchenflügel [↩]
Geschrieben von blogschrift in Erlebt, Gedacht | RSS 2.0
Bisher 2 Kommentare zu “Lieber Pons-Verlag,”
Ihr Kommentar:




Liebe Betonarbeiter, die hohe Qualität von Open Source Wörterbüchern (abgesehen davon, dass die Leo GmbH schon lange nur im bideren Mäntelchen eines Non-Profit-Projektes daherkommt, aber keineswegs Open Source ist) müsste zuerst bewiesen werden. Ich habe bis jetzt keine Beweise gesehen. S_master
Lieber Stefan Voigt,
schön, dass Ihnen die Heftchen-Aktion von Pons zur Rechtschreibung gefallen hat.
Ich hatte vorher wirklich keinen Kontakt zu Ihrer ehemaligen Deutsch-Lehrerin, um die Note abzustimmen, die 2+ war ehrlich zugeteilt nach Notenschlüssel.
Und keine Bange, ich kann leider nicht alle Ihre Blog-Texte in Zukunft korrigieren, Sie können ganz entspannt weiter schreiben…
Viele Grüße
Anne Pelzer