Die Tage werden kürzer, die Lesezeiten länger…
Uns hat es mal wieder ins Grimmsche Wörterbuch verschlagen, erneut nach der Lektüre des Briefwechsels Adorno/Horkeimer. In diesem eben jenem wird darüber spekuliert wird, woher denn das Wort “Keuschheit” eigentlich kommt1 und was das “Grimmsche”2 dazu sagt.
Der betreffende Artikel hat uns allerdings herzlich wenig gesagt, so dass wir, gewissermaßen in Vorwegnahme langer verregneter Novemberabende, einfach weiter voller Ingrimm im Grimm drin geblättert haben, natürlich in der grossartigen elektronischen Ausgabe des Grimmschen Wörterbuchs (oder schreibt man das hier mit Apostroph, lieber PONS-Verlag? ;-).3
Und was lesen wir da Schönes? Wir lesen über die Verlegenheit:
unentschlossenheit im handeln, zustand, da man nicht weisz, wie man sich benehmen soll. subst. entwickelt aus dem part. prät. verlegen zu verliegen. aus dem worte verlegen (s. verliegen), das ursprünglich ‘durch zu langes liegen träge, unthätig geworden’ bedeutet, hat sich mhd. verlegenheit in der bedeutung ‘unthätigkeit’ entwickelt
Aha, denkt man da und staunt. Aus dem Herumliegen ist die Verlegenheit geworden. Sehr schön. Sehr grimmsch.Da wäre man doch gerne Verleger geworden, wenn verlegen und ‘untätig sein’ so nahe (sic) beieinanderliegen.
Da legst di’ nieder.
- Die Herren A. und H. befanden sich 1937 ja nicht nur in Auseinandersetzung mit dem Faschismus, sondern z.B. auch mit der Psychoanalyse – und kamen so auf das Thema der Keuschheit. [↩]
- Und da klingt ja wieder unser hehres Lebensziel an, dass der Nachname zum Synonym für ein Standardwerk wird. Wer das geschafft hat, ob die Grimms, der Kindler oder, um mal ein Spezialisten-Synonym zu nehmen, der Rasch, der hat wirklich was geschafft im Leben und danach kann man auch getrost und getröstet den Löffel abgeben und in die ewigen Bibliotheksgründe eingehen. [↩]
- Und überhaupt, schreibt man nicht Apostroph jetzt reformiert Apostrof? Wir haben nachgeschaut: schreibt man nicht. [↩]