Es treibt einen die ungute Vorstellung um, dass das schöne schöne schöne Steuergeld
a.) an Milchbauern gegeben wird, damit sie ihre vorindustrielle und längst überlebte Daseinsform weiterführen können und den “aufs Land” reisenden Städtern eine Art agrartechnische Truman-Show bieten können und
b.) an Autofabriken geht, deren testosterongetriebenen Produkte längst keiner mehr kaufen will (Opel ist hier nur der Anfang), die aber aus Gründen der industriepolitischen Folklore weiter das gute deutsche Handwerk des Schraubens, Hämmerns und Ölverspritzens pflegen.
Irgendwo habe ich gelesen, dass die Politiker Programmieren lernen müssen. Vielleicht wäre das ein Weg zur Erkenntniserweiterung, um zu begreifen, dass die Zukunft des Landes nicht in Milch oder Blechfahrzeugen liegen kann (denn das können andere ebenso gut produzieren).1
Oder sollten Politiker vielleicht einmal ein (unbezahltes) Praktikum in einem modernen Dienstleistungsunternehmen machen?
Warum nicht in einer Software-Bude?: “Hey, Pofalla, jetzt mach endlich mal den Kaffee und setz’ Dich dann zu mir, dann erkläre ich Dir, was ein Bugtracking-Tool ist, sowas könntet ihr bei euch auch gut gebrauchen!”
- Und an alle, die jetzt aufschreien, dass unsere Agrarprodukte doch nicht in fernab liegenden Ländern produziert werden können, insbesondere die offenbar mit einer national-mutterländischen Psychoblockade versehene Milch, der schaue sich im Supermarkt an, wo Äpfel und andere ex-heimische Sachen herkommen. Und wäre das nicht eine gute Sache, um unterentwickelte Länder nicht länger von Märkten auszuschließen, sondern durch ihre eigene Arbeit (ganz im Sinne der Philosophie einer Grameen-Bank) als gleichwertige Marktteilnehmer und -akteure einzubinden in den Welthandel? [↩]