28.09.2009
Sloterdijks Konter
Wie nennt man sowas im Fußball? Einen Konter. Um was geht es? Es geht um Peter Sloterdijks Artikel Die Revolution der gebenden Hand in der FAZ vom 10. Juni, über den auch wir gebloggt haben. Der Frankfurter Sozialforscher und Philosoph Axel Honneth hat daraufhin Sloterdijk in der ZEIT vom 24. September hart angegriffen, ihm Substanzlosigkeit, Leichtsinn und Verquatschtheit vorgeworfen (Fataler Tiefsinn aus Karslruhe). Sloterdijk hat nun schnell repliziert (FAZ v. 26.09.: Das elfte Gebot: die progressive Einkommenssteuer) und Honneth vor allem mangelnde Kenntnis seines Textes und seiner Werke vorgeworfen, hier die schönste Passage daraus:
Die Wahrheit ist doch, unser Professor hat in Bezug auf meine Arbeit einen Lektüre-Rückstand von, freundlich geschätzt, sechstausend bis achttausend Seiten – was sinngemäß besagt, dass er wahrscheinlich weniger als zehn Prozent meiner Publikationen kennt, möglicherweise nicht einmal so viel und selbst diesen Rest nur flüchtig und ohne guten Willen zum adäquaten Referat. Gegen solche Defizite hilft auch das hastige Herumblättern und das zufällige Zitieren aus willkürlich aufgeschlagenen Büchern nicht – eben dies ist das Verfahren, das er in dem „Zeit“-Artikel an den Tag legt, um Kenntnisse vorzutäuschen. Alles, was der Autor des polemischen Artikels aus meinen Schriften anführt, sind typische Last-minute-Zitate; seine Kommentare sind durchwegs von enttäuschendem Niveau und meistens schon auf der simpelsten Verständnisebene falsch. Aus seinen Bemerkungen zu meinem Werk spricht allein eine moralisch relevante Tatsache: dass er zu desinteressiert, zu müde und zu humorlos ist, als dass er sich dem Anspruch meiner Arbeiten aussetzen könnte. Niemand hat ihn dazu gezwungen, über meine Bücher eine Meinung zu haben – aber wenn er eine solche äußern möchte, sollte er sie auf Grund von Kenntnissen vortragen und nicht unter dem Einfluss von automatischen Abwehrreflexen.
Geschrieben von blogschrift in Gelesen | RSS 2.0
Ihr Kommentar:



