Kann man etwas gescheiteres lesen?:
Übrigens gilt im allgemeinen die Regel: alle angenehmen Methoden, um Kindern die Wissenschaften beizubringen, sind falsch und albern; denn es handelt sich nicht darum, Geographie oder Geometrie zu lernen; es handelt sich darum, sich an Arbeit, d.h. an Langeweile, zu gewöhnen, seine Gedanken auf einen einzigen Gegenstand zu richten etc. Ein Kind, das alle Hauptstädte der Welt weiß, wird darum noch nicht die Gewohnheit haben, sich im rechten Verhältnis zu seinen Ausgaben und Einnahmen einzurichten, und der Herr Geograph wird von seinem Haushofmeister auf Erden bestohlen werden und mitten in seinen Kapitalen Europas Bankrott machen.
So schreibt es Ferdinando Galiani (1728-1787), der Namenspatron des neugegründeten Galiani Verlags, der zu seiner Gründung mit sieben Büchern auf der Buchmesse auftaucht. Zu diesen sieben Erstlingen, wenn das denn nicht ein Oxymoron (?) ist, zählt auch Galianis Nachrichten vom Vesuv. Briefe, Blitze, Lästereien, aus dem wir hier von der S. 80 zitieren.
Beim Lesen kann man immer staunen über den Scharfsinn und das originelle und ‘wilde’ Denken eines Mannes, der uns zeitlich so fern ist, aber, wie vielleicht sonst nur noch Lichtenberg und Montaigne, uns wie ein alter Freund vorkommt, mit dem man das Denken wortlos teilen kann.