Beim Anblick der Ruinen von Innsbruck durchzuckte es Leo Löwenthal: »Eigentlich nicht genug.« Der 1934 nach Amerika emigrierte Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung Max Horkheimers und Theodor W. Adornos reiste durch Nachkriegseuropa. Die deutschen Trümmerlandschaften konnten den jüdischen Literatursoziologen nach den deutschen Massenmorden nicht erschüttern. Dass das Land seiner Herkunft ihm keine Heimat werden würde, wusste er bald: Auf dem Münchner Oktoberfest erlebte er »dieselben grölenden, verblödeten Massen«, die dem Führer zugejubelt hatten. Und ein junger Taxifahrer erklärte Löwenthal die Dummheit Hitlers, sich mit den Juden angelegt zu haben; die hätten doch bekanntlich das Geld. Leo Löwenthal blieb in Amerika.
Was für ein schöner, lakonischer Artikelanfang in der ZEIT zu der Ausstellungskritik von Alexander Camann Auf unheimlichem Boden. Das eigentliche Wunder der deutschen Geistesgeschichte: Zwei Ausstellungen widmen sich den Rückkehrern aus dem Exil – Adorno, Horkheimer und Golo Mann. Und das Foto von Teddie Adorno mit der ebenfalls sehr lakonischen Bildunterschrift “Theodor W. Adorno auf einer Faschingsfeier, im Arm zwei unbekannte Schönheiten” kannten wir auch noch nicht.