16.01.2010

Lehrreiches Feature über unseren Staat

Es ist nicht nur eine Lehrstunde für alle, die “nichts zu verbergen haben” (aber warum leben die dann nicht mit einem schönen großen Schaufenster zur Straße hin in einer Ladenwohnung?), die gerne wie Schwerverbrecher bei Reisen Fingerabdrücke von sich nehmen lassen, die sich mit Begeisterung über “mehr Sicherheit” nacktscannen lassen und auf Facebook ihr Privatleben mit einem lockeren “Hallo Welt!” präsentieren.

Es ist vielmehr auch für alle Kritikaster, die schon immer ‘nach drüben’ gehen sollten (und man wusste nie, ob jene ihnen wirklich nur die DDR oder nicht doch gleich ‘die andere Seite’ antun wollten), für alle Weltabgewandten, alle in geistiger Klausur und öffentlicher Abstinenz Lebenden überaus lehrreich, erhellend und schockierend, was der Staat mit uns, seinen Bürgern macht, wie er sich benimmt, wie ignorant er gegenüber unseren Grundrechten ist, wie er in seiner Parallelwelt der “Aktenzeichen” lebt und dabei das Recht, das Maß, die Verhältnismäßigkeit und oft genug sogar den gesunden Menschenverstand vergißt.

Beim Deutschlandfunk gibt es das Feature “Kafka, Kanzler und da knackt nichts” (Sendezeit: 12.01.2010 19:15, Autor: Siemann, Holger, Länge: 43:29 Minuten) zum Anhören und zum Download (und vielleicht ja sogar zum Weiterverausborgen an Freunde, denn eigentlich sollten das ALLE hören und sich danach fragen, ob sie richtig gewählt haben und was zu tun ist.

Einfach hier klicken und im Browser “Sichern als” oder “Seiteninhalt sichern als…” aus dem Ablage-Menü wählen, schon hat man eine schöne MP3-Datei zum Weitergeben an Freunde und zum Wiederanhören.

Das Feature zum Nachlesen gibt es hier: Kafka, Kanzler und da knackt nichts. Aus dem Inneren eines Überwachungsstaates. Von Holger Siemann. Ein Ausschnitt aus dem Feature-Text:

O-Ton: Ströbele (Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundes für die Geheimdienste)
Nein, also wir scheitern häufig auch daran, dass wir einfach gar nicht die Zeit haben, auch ich nicht, all die Akten zu lesen, die wir dann zur Verfügung gestellt bekommen. Das sind ja nicht, das ist ja dann nicht ein kleiner Hefter, sondern zehn, fünfzehn Leitz-Ordner, wann soll ich denn das alles lesen? Dazu muss ich ja dann auch immer in den Geheimschutzraum gehen, also kann ich das auch nicht nebenher hier im Büro erledigen.
Erzähler:
Während in den USA nach dem 11.September nur 0,5 Abhörungen auf 100 000 Einwohner kommen, sind es in Deutschland 15, also das Dreißigfache3! Fehlt es uns an demokratischer Tradition? An heilsamem Misstrauen gegenüber einem heimlich wirkenden Staat?
O-Ton: Bernhard
Es ist so, dass man informiert werden muss, wenn so eine Abhörmaßnahme beendet werden muss, also man muss als Betroffener nicht sozusagen während der Maßnahme informiert werden, aber nach ihrem Ende. Und da ich nicht informiert wurde, gehe ich davon aus, dass das noch läuft.

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