Ach, was nutzt es, irgendwelche dumm daherschwadronierenden Ratgeber-Bücher zu lesen, was nutzen Psychotests, Lebenshilfen, Intreatment-Folgen, schlaue Freunde, Bücher, Bilder, Podcasts, Tweets, Status-Updates undsoweiterundsoweiter, halt der ganze Schmonzes, wenn man doch einen Ferdinando Galiani lesen kann, zum Beispiel seinen Brief vom 19. Januar 1771 an Madame d’Epinay:
Was war denn das für ein verteufelt dummer Einfall, sich von Ihrem Herrn Gemahl Kinder machen zu lassen! Wußten Sie denn nicht, daß Kinder ihrem Vater ähnlich werden? Sie sahen, daß Herr von Epinay ein Verschwender war; so hätten Sie also mit meinem Botschafter, dem Marquis de Castromonte, Kinder zeugen sollen; er war in Paris, als Sie Ihren Sohn empfingen, und er würde Ihre Familienangelegenheiten in Ordnung gebracht haben. Waren Sie jemals so rasend, an Rousseau und seinen Emile zu glauben? Zu glauben, daß Erziehung, Grundsätze, Reden irgend etwas zur inneren Einrichtung eines Kopfes beitragen? Wenn Sie daran glauben – bitte, so nehmen Sie doch mal einen Wolf her und machen Sie einen Hund daraus, wenn Sie können. Das Unverbesserliche ist also ein auf Berechnung beruhendes Übel; folglich darf man es nicht noch durch falsche Berechnungen vermehren. Es wäre grundfalsch und höchst gefährlich, wenn man glauben sollte, es ließe sich verbessern. Seien Sie fest überzeugt, es gibt kein Mittel dagegen, und Sie bekommen nur die Dosis notwendigen Übels; von Ihrer Seite hat der Wille gar nicht mitzusprechen. Aber das alles wissen Sie ja, und vielleicht haben Sie es schon getan. Übrigens bin ich ja niemals Mutter gewesen; Vater war ich vielleicht ein paarmal, und ich habe wohl gesehen, daß das nichts damit zu tun hat.
Das lese man alles und staune über einen der geistigen Vor- und Ur-Väter eines Arno Schmidts oder eines Wiglaf Droste. Und jeder denke für sich, wie großartig es doch ist, das da einer was vor so vielen Jahren geschrieben hat, was man heute noch gerne liest.
Ein Kommentar
verdammt gutes Deutsch der Mann. Respekt