Ach, Volksmund… Wenn es denn so einfach wäre. Aber der alte Luther wußte schon, warum er dem Volk aufs Maul oder die Schlauchbootlippen schaut, denn selten, wirklich ganz selten ist der Volksvertreter oder die Volksvertreterin ein Goethe, eine Friederike Mayröcker oder ähnliches.
Meist handelt es sich eben doch um halbgebildete Windbeutel, die unter Dichtung eine Rohrreparatur und unter Dithyramben die neuesten außerirdischen Monster verstehen. Und dann passiert sowas, dann hängt da nämlich in der Kleinmarkthalle in Frankfurt, einem sowohl menschlich wie kulinarisch wie architektonisch unter der Kategorie “Juwel” einzuordnenden Unikum, ein Gedicht auf “50 Jahre Kleinmarkthalle”, von dem wir hier – mit Rücksicht auf das ästhetisch sensible Publikum – nur die letzten Zeilen mit unserer Plattenkamera aufgenommen haben.
Aber auch dieser kurze Ausschnitt, gewissermaßen schön bildungsbürgerlich das pars pro toto, zeigt exemplarisch, wie der – nebenan verkaufte – Hase läuft: der typisch hessische lebensfrohe Zynismus, die Ironie des ‘kleinen Mannes’ über das allzu schwere Leben und dazu die bemüht poetische Reimerei, die am heimischen Tisch verzweifelt nach einem Reim für “Brötchen” suchte und die entsprechende Lösung fand.
Das Ö wird schon so manchen Dichter in höchste Nöte getrieben haben, aber diese Lösung ist ößerst öngewöhnlich önd löbenswert.