Joachim schreibt in seinem Nachruf auf die Loveparade in der NZZ:
Umschlag des DeutungsmustersEs fällt auf, dass im Moment ihrer Duisburger Katastrophe diese biologische Sicht durch eine soziophysikalische ersetzt wurde: Die Masse erschien nun als Naturgewalt, schwer zu lenken, kaum ansprechbar (man traute den Teilnehmern nicht einmal zu, einen frühzeitigen Abbruch der Parade verständig hinzunehmen), ein Strom, gefährlich wie ein Fluss in Hochwasserzeiten, im Tunnel kanalisiert und ohne Rückhaltebecken, wie es in Berlin mit dem Tiergarten zur Verfügung gestanden hatte. Festhalten muss man, dass die Love Parade weder an Alkohol noch an Designer-Drogen oder zu lauter Musik zugrunde gegangen ist, sondern daran, dass man aus der bewegten eine gestaute Masse machen wollte, eingezäunt und eingeengt in eine Arena, als handle es sich bei dieser Feier, die doch der tänzerischen Freiräume bedarf, um den Besuch eines Fussballspiels. Als die Love Parade starb, war sie nicht sie selbst.
Bleibt zu hoffen, dass die hoffnungslos dummen Macher des Mottos “Dance or Die” ebenfalls etwas für die Zukunft gelernt haben.