Neulich in den Archives Nationales in Paris. Der größte Gebäudekomplex in der Gegend — mit Gärten, was für ein Luxus mitten in Paris. Man hat den Eindruck, dass der enge Marais drumherum gebaut wurde.

Die Bibliotheksleitern, die überall im Archiv herumstehen und offenbar aus allen Zeiten seit Beginn des Archivs nach der Revolution in vielen Bauformen aus Holz und Metall stammen (z.T. sind ihre Standorte auf bestimmte Sektionen des Archivs beschränkt, oft nur wenige Quadratmeter, weil sie einfach zu groß sind, um sie umherzubewegen), heißen unter den Archiv-Mitarbeitern schlicht „Girafes“. Wie schön.

So geht das im Garten, irgendwann im Sommer geht man nur noch zur Ernte hin. Leider fehlt die äußerst wohlschmeckende Gurke, dafür sind die wichtigsten Werkzeuge drauf. Die Buschbohnen schmecken exquisit, mit einer Zucchini dagegen wird sich kein Gärtner schmücken, sowas wächst ja von selber…

Gartenernte am 9. Juli 2011

1970

Kategorie: Erlebt, Gehört, Gelinkt

Draußen vor dem Büro zupft der Kindergärtner auf der Gitarre (ohne dass die lärmenden Kindern ihn weiter würdigen). Da fallen mir gut-proustisch die eigenen Vergangenheiten ein:

Letztens im großartigen Deutschen Literaturarchiv Marbach gesehen: auf Knopfdruck generiert der Poesieautomat nach einigen Sekunden eine neue Poesie-Version: Landsberger Poesieautomat von Hans Magnus Enzensberger

Weitere schräge Trouvaillen aus Marbach werden folgen.

Im etwas abgelegenen Teil der Lindleystraße (Parallelstraße zur Hanauer) eröffnete letztens das Frankfurter Stadtlabor eine interessante Ausstellung über das Frankfurter Ostend. Das ungewöhnliche an der Ausstellung ist, dass es nicht eine Ausstellung über, sondern MIT den Bewohnern des Ostends ist. Für Nicht-Frankfurter: das Ostend ist ein – vor allem durch den voll im Gange befindlichen Neubau der EZB – im Wandel befindlicher Stadtteil, der offenbar aus seinem Status der bisherigen Vernachlässigung und Verödung innerhalb von wenigen Jahren in den (ebenfalls öden ;-) Status der Gentrification springt. Die Ausstellung wurde in ihren sehr heterogenen Abschnitten zu großen Teilen von ‚echten Ostendlern‘ gestaltet und gemacht und zeigt die Vielfalt, Originalität und Ungekünsteltheit eines Bezirkes, den es so in einigen Jahren wohl kaum mehr geben wird. Das Frankfurter Historische Museum begleitet diesen Wandel des Stadtteils mit seinem Stadtlabor gewissermaßen unter einem ‚ethnologischen‘ Blickwinkel. Eine Museumsmitarbeiterin sitzt sogar vor Ort (hier mehr dazu bei thing Frankfurt mit witzigen Fotos) in einem Bauwagen und betreibt Feldforschung im Habitat der offenbar durchaus freundlich gesinnten Ostendler.

Offiziell heißt die Ausstellung „Ostend / Ostanfang. Ein Stadtteil im Wandel. Eine partizipative Ausstellung im und über das Frankfurter Ostend“ und ist im Kontorhaus in der Lindleystr. 12 zu finden (Straßenbahnlinie 11, Station: Schwedlerstraße). Geöffnet ist Dienstags bis Sonntags von 14-20 Uhr. Hier ein Video von der Ausstellungseröffnung mit der antagon theaterAKtion, die ebenfalls im Ostend ihren Sitz hat:

Wir empfehlen besonders den liebevollen Nachbau einer 28qm-Wohnung aus Pappe (siehe Foto, alles aus Pappe!),Die Spüle der Pappwohnung in der Stadtlabor-Ausstellung der sehr schön zeigt, was für eine Wohnkultur und welche (durchaus menschenfreundlichen) Lebensumstände verloren gehen können, wenn die Gentrification kleinere (und damit billigere) Wohnungsgrundrisse und ihre Bewohner verdrängt. Fern von jeglicher Romantisierung zeigt die Pappwohnung, dass es neben den Hochglanzzeichnungen der Architekten (die auch in der Ausstellung zu sehen sind) von glücklichen, sommerlich-schick gekleideten Menschen mit Einkaufstaschen vor ballonförmigen Kunstbäumen noch ein anderes Leben gibt.

Das erste Opfer der Gentrification begegnete uns unmittelbar nach dem Besuch der Eröffnung: das in der Nähe befindliche, ehemals beliebte Lokal „Frankfurter Küche“ ist schon zum sterilen Sättigungsladen umgebaut worden. Die armen EZB’ler, die dort demnächst ihre Pause zubringen müssen. Da gehen wir doch lieber zu Gref-Völsings, ein paar Meter die Hanauer runter…