Archiv für die 'Erlebt' Kategorie
19.01.2010
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Geschrieben von blogschrift in Erlebt, Gesehen | 1 Kommentar »
10.12.2009
Der Charme der Schwarz-Weiß-Fotografie
Im Zuge einiger Maßnahmen zur Entschleunigung des Lebens auch die gute alte Schwarz-Weiß-Fotografie wiederentdeckt.
Eine der wenigen Techniken, bei denen man auch mit geringem Können gute Ergebnisse zeitigen kann (sorry, Fotografen).
Manche Fotos von einem selbst sehen plötzlich aus wie in der DDR geschossen, andere zeigen “Körnung”, die man später mal Leuten erklären muß, die nur noch Pixel kennen. Merkwürdig, die Konditionierung des Sehens. Beim Betrachten der Schwarz-Weiß-Fotos meint man selbst bei eindeutig zeitgenössischen Motiven gleich die Wehrmacht durchs Bild rennen zu sehen oder dass gleich ein sehr bärtiger älterer Herr ins Bild kommt, der einem was über gutes Benehmen oder die Entstehung der Arten erzählt.
Eine kleine Zeitmaschine, so ein Film.
Die Kamera ist selbst eine Zeitmaschine von 1936 und man würde vieles darum geben, wenn man alle Fotos sehen könnte, die durch diese Linse schon geschossen wurden. Was für Glücksmomente, was für Kriegsbilder, was für Wirtschaftswunder-, Familien-, Hippies- und Urlaubsfotos da wohl durchgingen.
HIer links ein kleines Memento Mori, aber eigentlich ist es so, dass man sagen müsste: memento Belichtungszeit, memento Blende, memento Entfernung (das hat man bei dem ganzen Autofokus-Zeug wirklich längst vergessen, dass man auch die Entfernung einstellen muß) und vor allem: memento Objektiv rausschrauben und einrasten lassen.
Aber dann gehts ganz einfach.
Geschrieben von blogschrift in Erlebt, Gescannt | Keine Kommentare »
28.09.2009
Über Wahltristesse und die einverstandenen Nicht-Wähler
So armselig sieht das aus, wenn man wählen geht, liebe Beim-nächsten-mal-erst-Erstwähler: man sitzt hinter einem Sichtschutz im DDR-Einheitsgrau, ein kümmerlicher Bleistift1 und dann sitzt man – writer’s block lässt grüßen – vor dem großen Wahlzettel und weiß nicht ein und aus und schwankt und überlegt und lässt mögliche Koalitionen vor seinem geistigen Auge ablaufen, geht nochmal das zuvor selbstverständlich zur Wahl nochmal durchgelesene politische System durch und macht dann seine Kreuze und denkt, dass man mit seinem, nun, sagen wir mal 50millionstel Stimmanteil weder großen Schaden noch größere Veränderungen anrichten kann.
Es stellen sich einem aber doch einige Fragen:
- Warum gestaltet man die Wahlutensilien eigentlich so grauenhaft häßlich?
- Warum sind Wahllokale so kundenunfreundlich und haben nur bis 18 Uhr geöffnet?
Das Votum der stärksten “Partei” (im nicht-politisch-organisierten Sinne), nämlich der Nicht-Wähler, sollte durchaus ernst genommen werden. Vielleicht ändert sich hier erst etwas, wenn – die Boni in anderen Branchen lassen grüßen – das Gehalt von Politikern auch an der Wahlbeteiligung gemessen wird.
An der Wahlberichterstattung störte teilweise, dass das Nicht-Wählen des öfteren als Protesthaltung gewertet wurde. Wie kommt man nur darauf? Wie glücklich muss doch ein Land sein und wie einverstanden mit den herrschenden Verhältnissen muß die große Gruppe der Nicht-Wähler sein, wenn sie nicht nur den Stimmen”wert” der Wähler gerne durch ihre Abwesenheit anhebt, sondern durch ihre Absenz auch das Einverstandensein ganz praktisch bestätigt.
Die Lage der Nichtwähler, des Landes, des politischen Systems und der allgemeinen Weltlage scheint für die Nichtwähler so gut, nein, sogar so hervorragend zu sein, dass man eine Veränderung oder auch nur Bestätigung des status quo nicht für nötig hält. Und die Nichtwähler scheinen ein so grenzenloses Vertrauen in die Qualität des politischen Systems zu haben, dass sie glauben, dass auch ohne eine “Wahl durch alle” eine solch gute Politik-Qualität aus dem System entspringt, dass man sich nicht darum kümmern muß.
- Da gab es zum Besuch der Wahlparty übrigens große Diskussion drüber: sind das Spezialbleistifte? Warum sind das Bleistifte und nicht Kugelschreiber? Kann man da nicht einfach Stimmen ausradieren und ändern? [↩]
Geschrieben von blogschrift in Erlebt, Gedacht | 1 Kommentar »
27.07.2009
Lieber Pons-Verlag,
vielen Dank für die Zusendung Deiner wirklich amüsanten Werbung. Nicht nur haben wir von Dir ein reizendes Schulheft in einem jener Schutzumschläge bekommen, die uns durch 12 elende Schuljahre begleitet haben (und die offenbar auch in den letzten 25 Jahren ohne jegliche Geschmacksverbesserung oder auch nur Veränderung geblieben sind).
Viel besser hat uns aber darüber hinaus die sogar handgeschriebene Beurteilung eines unserer Blogbeiträge inklusive Korrektur gefallen.1
Nicht nur finden wir die Werbeidee sehr nett, denn wer, wenn nicht ein Blogschreiber, (hoppla, kommt da wirklich ein Komma hin?) hat heute echten Bedarf für ein Wörterbuch (oder sollten wir hier das Unwort in den Mund nehmen und sagen, dass man als Schreiber immer einen “Duden”2 neben sich auf dem Tisch liegen haben sollte?)3 Wir finden auch die liebevolle Ausführung mit dem Schulheft, dem beigelegten Blatt Löschpapier und der schreiend roten, uns in schlimmste Schulzeiten zurückversetzenden Tinte sehr angenehm (so weit es uns das nicht-romantisierende, stetig weiterwirkende Schultrauma erlaubt).
Also, lieber Pons-Verlag, schöne Aktion. Auch wenn wir sonst Werbung in Blogs und gekaufte Blogger zum Kotzen finden, so wissen wir doch zu unterscheiden zwischen dem marktschreierischen Marketing-Scheiß von Vodafail & Konsorten und so einer netten kleinen unaufgeregten Aktion und wollen Dich hier als Gegenleistung auch erwähnen (die Erwähnung wird die Währung des 21. Jahrhunderts werden, das Internet wird, so wie die Scientific Community über Fußnoten, nur noch über Links funktionieren. Wenn es nicht verlinkt ist, existiert es nicht.).
Zum Übersetzen benutzen wir allerdings, nichts geht über die hohe Qualität von Open Source, Update: einer Leo GmbH (s. Kommentar), doch lieber weiterhin Leo. Aber das mit dem Onlinewörterbuch werden wir uns überlegen, denn regelmäßig ärgern wir uns, dass der Duden zwar halbamtlich und -staatlich daherkommt, aber sein Wissen nicht frei online zur Verfügung stellt.
Und, liebe Frau Lehrerin Anne Pelzer, die Note “2+” trifft tatsächlich im großen und ganzen unsere damalige Deutsch-Note.
PS: Wir finden die uns zuteil gewordene Korrektur übrigens nicht ganz korrekt. In unserem Satz
Und die Werbung mit Kussmund-Kirschen: ach, Welt, ach, ach, ach, wo taumelst Du hin? Wo ist sie hin, die Schönheit? Wo ist die Ästhetik früherer Werbejahre?4
sehen wir das “ach, Welt, ach, ach, ach” natürlich als spezielle Angabe oder Erklärung. Nach der neuen Rechtschreibung darf man da ja auch nach dem Doppelpunkt klein weiterschreiben, gell? Na ja, sei’s drum, wir wollen nicht päpstlicher sein als der Papst, den wir ohnehin nicht mögen.
- Und wir zittern jetzt natürlich bei jedem neuen Beitrag, dass (wenn man nicht “dieses”, “jenes” oder “welches” einsetzen kann, dann mit ß, das (!) man aber heute ss schreibt) irgendein Deutschlehrer oder Deine werte Frau Pelzer wieder bei uns vorbeischaut und erneut den Rotstift zückt. [↩]
- Hier eine Übersicht über die Markennamen, die es zu einem Gattungsbegriff gebracht haben. [↩]
- Und bemerkenswerterweise wehrt sich ja gerde der Duden zumindest bei uns gegen eine digitale Version. Das Blättern und Schmökern ist eben doch angenehmer als das Markieren eines Wortes und das Warten auf Antwort. [↩]
- Die Welt, ein Hähnchenflügel [↩]
Geschrieben von blogschrift in Erlebt, Gedacht | 2 Kommentare »
07.04.2009
Verschwindende Tätigkeiten: Glühbirnen reinschrauben
Eine Glühbirne mit einer Glühbirne ausgewechselt, weil die sehr kleine (Bau)lampe keine Energiesparlampe zulässt.
Dabei schon fast verwegen gefühlt wie bei einem Widerstandsakt, ähnlich den Schellackplatten- oder Tonband-Hörern, den Analog-Fotografierern, den Lesern, den Telefon-mit Kabel-Besitzern, den Rechenschieber-Benutzern, den Körperwahn-freien, den Ewig-Gestrigen-die-sich-daraus-nichts-machen.
Auf der Liste der demnächst verschwindenden Tätigkeiten1: Glühbirnen reinschrauben.
Beim Anfassen der Birne den Finger verbrannt. Auf die vor allem heizende Wirkung der Birne geflucht und die kommenden neuen Zeiten gutgeheissen.
- Wann haben meine Leser das letze mal mit einer feinen Bürste eine Platte entstaubt, kurz bevor die Nadel kratzend aufsetzte? [↩]
Geschrieben von blogschrift in Erlebt, Gedacht | Keine Kommentare »
17.02.2009
Zet-Kaffee-Mohr mit Handschuhen
Liebe Zet-Kaffee-Macher, auch wenn man bei eurer Website ohnehin nichts Gutes ahnen kann, fiel uns in einer nutzlos im Café vertändelten Minute bei eurem stark unterdurchschnittlichen Kaffee das nebenstehende Zuckertütchen auf. Nichts Ungewöhnliches im Grunde genommen, ein Mohr oder ein Türke mit Fez und Pluderhose, so wie ihn zum Beispiel auch der edle Feinkostler Meinl am Graben verwendet, oder natürlich Sarotti.
Allen genannten Mohren gemein ist allerdings, so kommt es mir völlig unrepräsentativ und nicht-empirisch vor, dass sie (ähnlich Michael Jackson) immer heller werden.
Bei Sarotti wurde der altbekannte Sarotti-Mohr ohnehin zu einem “Magier”, aber ihr, lieber Zet-Kaffee, habt euch auch nicht besonders geschickt aus der Affäre gezogen. Schaut man mal etwas genauer hin, dann habt ihr offenbar aus Gründen der political correctness euren Mohren leicht eingefärbt, er ist jetzt so hell wie sein Hemd, dafür scheint er nun — trotz seiner weiterhin recht weit südlich zu suchenden Heimat — braune Handschuhe zu tragen und, tja, Socken, Schuhe sind das jedenfalls nicht.
Oder habt ihr da einfach schludrig gearbeitet und dem Mohr im Zuge einer Wir-machen-das-jetzt-mal-politisch-korrekt-Aktion einfach ein helles Gesicht verpasst, dafür aber Hände und Füße so braun gelassen, wie sie mal waren?
Ja, natürlich wissen, wir, dass solche Gedanken total unnütz sind. Aber wie hieß es im Lied so schön: “die schönsten Gedanken sind die interessanten” (oder so ähnlich).
In diesem Sinne, lieber Zet-Kaffee: Besseren Kaffee machen und dem Mohr demnächst mal die Handschuhe ausziehen…
UPDATE: Hier noch etwas zum Meinl-Mohr, der eigentlich ein Türke ist.. Aber was soll man auch noch sagen zu einem Land, in dem (zumindest im Bundesheerjargon) der miserable Kaffee “Negerschweiss” heisst…
Übrigens gibt es zu diesem spannenden Thema auch ein Buch:
Rita Gudermann: Der Sarotti-Mohr. Die bewegte Geschichte einer Werbefigur.
Ch. Links Verlag, Berlin 2004.
174 Seiten, 29,90 EUR.
ISBN-10: 3861533413
Geschrieben von blogschrift in Erlebt, Gedacht | 1 Kommentar »
29.01.2009
Liebe Bahn,
“aufgrund des Streiks ist mit überfüllten Zügen und Verspätungen zu rechnen”.
Das meinst Du jetzt nicht ernst, oder?
Geschrieben von blogschrift in Erlebt, Gehört | Keine Kommentare »
06.01.2009
Ratten auf der Wand
Sehr schön, wie das wuselt und läuft und die Hauswand zur Plage macht:
Gesehen im Wiener Museumsquartier vor ein paar Tagen. Eine Installation des Künstlers Peter Koglers zu seiner Ausstellung im Wiener Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien.
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