Archiv für die 'Gelesen' Kategorie
29.07.2010
Loveparade – Die gestaute Naturgewalt
Joachim schreibt in seinem Nachruf auf die Loveparade in der NZZ:
Umschlag des DeutungsmustersEs fällt auf, dass im Moment ihrer Duisburger Katastrophe diese biologische Sicht durch eine soziophysikalische ersetzt wurde: Die Masse erschien nun als Naturgewalt, schwer zu lenken, kaum ansprechbar (man traute den Teilnehmern nicht einmal zu, einen frühzeitigen Abbruch der Parade verständig hinzunehmen), ein Strom, gefährlich wie ein Fluss in Hochwasserzeiten, im Tunnel kanalisiert und ohne Rückhaltebecken, wie es in Berlin mit dem Tiergarten zur Verfügung gestanden hatte. Festhalten muss man, dass die Love Parade weder an Alkohol noch an Designer-Drogen oder zu lauter Musik zugrunde gegangen ist, sondern daran, dass man aus der bewegten eine gestaute Masse machen wollte, eingezäunt und eingeengt in eine Arena, als handle es sich bei dieser Feier, die doch der tänzerischen Freiräume bedarf, um den Besuch eines Fussballspiels. Als die Love Parade starb, war sie nicht sie selbst.
Bleibt zu hoffen, dass die hoffnungslos dummen Macher des Mottos “Dance or Die” ebenfalls etwas für die Zukunft gelernt haben.
Geschrieben von blogschrift in Gelesen, Gelinkt | Keine Kommentare »
07.07.2010
Fritz Teufel ist tot
Schnüff, der große Fritz Teufel ist tot (und die taz widmet ihm einen schönen Nachruf).
Fritz Teufel, das ist der, den wir doch eigentlich zum Bundespräsidenten hätten wählen müssen (aber der Bundespräsident wird ja nicht gewählt).
Und das ist der, der mit seiner Entgegnung “Wenn’s der Wahrheitsfindung dient” (nach einer Aufforderung durch das Gericht, sich zu erheben) ganzen Generationen klargemacht hat, dass auch Autoritäten veralbert und ganz leicht von ihrem hohen (Schlacht-)Ross geworfen werden können.
Dass wir ihm außerdem zum langweiligen Alibi auch das viel bessere B-libi verdanken, sei nur nebenbei vermerkt.
Ein Großer ist weg und was haben wir stattdessen: seitenscheitelige Klassensprecher (hörig ihrer Mutti), die uns “repräsentieren” sollen. Mal sehen, wie das wird und wie das endet.
Geschrieben von blogschrift in Gedacht, Gelesen | Keine Kommentare »
17.06.2010
Deutschland, ein Alphatierchen-Gehege
Wie geht eigentlich so eine Koalition zuende?
Mit Tränen?
Mit heruntergezogenen Mundwinkeln?
Mit einem herzhaften “Arschloch”, mit Lippenstift an einen Spiegel im Kanzleramt geschrieben?
Mit Türenknallen im Parlament?
Vielleicht ja auch nur mit Sätzen wie diesen, die man gestern auf Seite eins der FAZ lesen konnte:
Auch wurde dargelegt, die für das kommende Wochenende anberaumte Beratung von Gesundheitspolitikern werde ohne größere Bedeutung für den Fortgang der Beratungen zur Gesundheitsreform sein. Es kämen Fachleute zusammen, die nicht Entscheidungen des Koalitionsausschusses vorwegnehmen könnten, sagte der CSU-Landesgruppenvorsitzende Friedrich. [...] In der Führung der FDP hieß es mit Blick auf den Umgang in der Koalition, künftig gelte der Grundsatz: „Wer sich mit einem von uns anlegt, legt sich mit der ganzen FDP an.“ Dies sei aber nicht als „Kampfansage“ gemeint.
Was wir hier lesen, heißt doch zum einen (so, wie wir es ohnehin immer vermutet haben):
OK, schön und gut, dass sich irgendwo Fachleute zu dem Thema treffen, aber WIR entscheiden das sowieso nach eigenem Gusto.
Und zum anderen heult die FDP, dass sie sofort ihren großen Bruder oder “alle meine Freunde” holt, wenn die CDU/CSU noch einmal ihre Sandkuchen kaputtmacht.
Heul doch.
Geschrieben von blogschrift in Gelesen | Keine Kommentare »
15.06.2010
Wie in einer dysfunktionalen Familie
In der FAZ gelesen und doch sehr geschmunzelt über den vom Stuhl fallenden Roland Koch:
Es geht in Deutschland zu wie in einer dysfunktionalen Familie: Während die Kanzlerin wortkarg immer weitermacht, suchen manche Männer um sie herum die Aufmerksamkeit nach Kinderart, indem sie sich beispielsweise vom Stuhl fallen lassen. Sowohl der Rückzug Roland Kochs wie der Rücktritt des Bundespräsidenten drückten nicht nur den Wunsch aus, endlich mal richtig verstanden zu werden, sondern waren auch als Bestrafung des undankbaren Publikums gedacht: Nun habt ihr uns nicht mehr, das habt ihr davon!
Hier der komplette Artikel über den Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck: Es ist Sonne über Berlin.
Geschrieben von blogschrift in Gelesen | 1 Kommentar »
15.06.2010
Aber nicht die Minibar!
Nachrichten aus einem absurden Land. In dem mir freundlicherweise von der Steuerberaterin zur Verfügung gestellten Informationsblatt “Aktuelles aus der Gesetzgebung und Rechtssprechung” wird die von der schwarz-gelben zugunsten des Hotelgewerbes beschlossene Mehrwertsteuerreduzierung (hier das passende Statement dazu) u.a. folgendermaßen erläutert
Somit unterliegen z.B. auch die folgenden Leistungen dem Steuersatz von 7%:
- Überlassung von Bettwäsche, Handtüchern und Bademänteln
- Stromanschluss sowie
- Reinigung und Weckdienst
Was in diesem Land doch alles geregelt ist… Man stelle sich ein Amt vor, in dem Menschen darüber nachdenken, wie man denn nun die Minibar (19%!), den Bademantel (7%!), das Hotelfrühstück (19%!) und die “kurzfristige Überlassung von Campingplätzen” (7%!) besteuert.
Geschrieben von blogschrift in Gedacht, Gelesen | Keine Kommentare »
13.06.2010
200. Todestag von Johann Gottfried Seume
Ach, wo sind die wenigen tausend oder vielleicht auch nur wenigen hundert merk-würdigen Gestalten der deutschen Geschichte, wo sind sie geblieben in der dagegen unübersehbaren und unzählbaren Phalanx der Dummdreisten, der Sause-machenden, der Ballermann-Enthusiasten, der Fußball-Blöker, der Schwafler, der Dumpfnationalen, der Mitläufer, Mitrenner, Lederhosentragenden, der Kirchenleute, der Ja-Sager und Dichter-Totschläger?
Sie sind wenige, sie sind oft unauffindbar und sie sind echte Exoten. Wie der große Georg Forster, an dessen polyglottes Erbe sich erst niemand erinnern wollte. Es sind Menschen wie Lichtenberg, Jean Paul, Arno Schmidt oder Wolfgang Neuss, die nicht passen, nicht leicht sind, nicht verständlich sind und sich dem kleinbürgerlichen Auto-Reihenhaus-2-Kinder-Mallorca-Glück ebenso versagt haben wie dem “Mitmachen” in allen Zeiten und Jahrhunderten.
Einer der verqueren Nicht-Mitmacher ist der große Johann Gottfried Seume, der uns über die Jahrhunderte und besonders heute, an seinem 200. Todestag, seinen Kommentar zum Sparpaket und der Verschonung der Reichen bei der Bezahlung ihrer Finanzsünden zuwirft:
Wer das erste Privilegium erfunden hat, verdient vorzugsweise so lange im Fegefeuer in Öl gesotten oder mit Nesseln gepeitscht zu werden, bis das letzte Privilegium vertilgt ist.
Seumes abenteuerliche Biographie (u.a. in der Rhön von hessischen Werbern gepresst und vom Landgrafen als Soldat an die Engländer nach Amerika verkauft) und sein Preisen des Laufens und Wanderns als philosophische Größe (“Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft.”) sollte uns allen einen Gedanken wert sein. Hier zur Erinnerung sein Gedicht “Der Wilde”:
Der Wilde1
Ein Kanadier, der noch Europens
Übertünchte Höflichkeit nicht kannte,
Und ein Herz, wie Gott es ihm gegeben,
Von Kultur noch frey, im Busen fühlte,
Brachte, was er mit des Bogens Sehne
Fern in Quebecks übereisten Wäldern
Auf der Jagd erbeutet, zum Verkaufe.
Als er ohne schlaue Rednerkünste,
So wie man ihm both, die Felsenvögel
Um ein kleines hingegeben hatte,
Eilt’ er froh mit dem geringen Lohne
Heim zu seinen tiefverdeckten Horden
In die Arme seiner braunen Gattinn.
Aber ferne noch von seiner Hütte
Überfiel ihn unter freyem Himmel
Schnell der schrecklichste der Donnerstürme.
Aus dem langen rabenschwarzen Haare
Troff der Guß herab auf seinen Gürtel,
Und das grobe Haartuch seines Kleides
Klebte rund an seinem hagern Leibe.
Schaurig zitternd unter kaltem Regen
Eilete der gute wackre Wilde
In ein Haus, das er von fern erblickte.
Herr, ach laßt mich, bis der Sturm sich leget,
Bath er mit der herzlichsten Geberde
Den gesittet feinen Eigenthümer,
Obdach hier in euerm Hause finden! –
Willst du, mißgestaltes Ungeheuer,
Schrie ergrimmt der Pflanzer ihm entgegen,
Willst du Diebsgesicht mir aus dem Hause!
Und ergriff den schweren Stock im Winkel.
Traurig schritt der ehrliche Hurone
Fort von dieser unwirthbaren Schwelle,
Bis durch Sturm und Guß der späte Abend
Ihn in seine friedliche Behausung
Und zu seiner braunen Gattinn brachte.
Naß und müde setzt’ er bey dem Feuer
Sich zu seinen nackten Kleinen nieder,
Und erzählte von den bunten Städtern,
Und den Kriegern, die den Donner tragen
Und dem Regensturm, der ihn ereilte,
Und der Grausamkeit des weißen Mannes.
Schmeichelnd hingen sie an seinen Knieen,
Schlossen schmeichelnd sich um seinen Nacken,
Trockneten die langen schwarzen Haare,
Und durchsuchten seine Weidmannstasche,
Bis sie die versprochnen Schätze fanden.
Kurze Zeit darauf hatt’ unser Pflanzer
Auf der Jagd im Walde sich verirret.
Über Stock und Stein, durch Thal und Bäche,
Stieg er schwer auf manchen jähen Felsen,
Um sich umzusehen nach dem Pfade,
Der ihn tief in diese Wildniß brachte.
Doch sein Spähn und Rufen war vergebens;
Nichts vernahm er als das hohle Echo
Längs den hohen schwarzen Felsenwänden.
Ängstlich ging er bis zur zwölften Stunde,
Wo er an dem Fuß des nächsten Berges
Noch ein kleines schwaches Licht erblickte.
Furcht und Freude fchlug in seinem Herzen,
Und er faßte Muth und nahte leise.
Wer ist draußen? brach mit Schreckentone
Eine Stimme tief her aus der Höhle,
Und ein Mann trat aus der kleinen Wohnung.
Freund, im Walde hab’ ich mich verirret,
Sprach der Europäer furchtsam schmeichelnd;
Gönnet mir, die Nacht hier zuzubringen,
Und zeiget nach der Stadt, ich werd’ euch danken,
Morgen früh mir die gewissen Wege.
Kommt herein, versetzt der Unbekannte,
Wärmt euch; noch ist Feuer in der Hütte!
Und er führt ihn auf das Binsenlager,
Schreitet finster trotzig in den Winkel,
Holt den Rest von seinem Abendmahle,
Hummer, Lachs und frische Bärenschinken,
Um den späten Fremdling zu bewirthen.
Mit dem Hunger eines Weidmanns speiste,
Festlich wie bey einem Klosterschmause,
Neben seinem Wirth der Europäer.
Fest und ernsthaft schaute der Hurone
Seinem Gaste spähend auf die Stirne,
Der mit tiefem Schnitt den Schinken trennte,
Und mit Wollust trank vom Honigtranke,
Denn in einer großen Muschelschale
Er ihm freundlich zu dem Mahle reichte.
Eine Bärenhaut auf weichem Moose
War des Pflanzers gute Lagerstätte,
Und er schlief bis in die hohe Sonne.
Wie der wilden Zone wildster Krieger,
Schrecklich stand mit Bogen, Pfeil und Köcher
Der Hurone jetzt vor seinem Gaste,
Und erweckt ihn, und der Europäer
Griff bestürzt nach seinem Jagdgewehre;
Und der Wilde gab ihm eine Schale,
Angefüllt mit süßem Morgentranke.
Als er lächelnd seinen Gast gelabet,
Bracht’ er ihn durch manche lange Windung,
Über Stock und Stein, durch Thal und Bäche,
Durch das Dickicht auf die rechte Straße.
Höflich dankte fein der Europäer;
Finsterblickend blieb der Wilde stehen.
Sahe starr dem Pflanzer in die Augen,
Sprach mit voller, fester, ernster Stimme:
Haben wir vielleicht uns schon gesehen?
Wie vom Blitz getroffen stand der Jäger,
Und erkannte nun in seinem Wirthe
Jenen Mann, den er vor wenig Wochen
In dem Sturmwind aus dem Hause jagte,
Stammelte verwirrt Entschuldigungen.
Ruhig lächelnd sagte der Hurone:
Seht, ihr fremden klugen, weißen Leute,
Seht, wir Wilden sind doch beßre Menschen!
Und er schlug sich seitwärts in die Büsche.
- Diese Erzählung habe ich, als ich selbst in Amerika und in der dortigen Gegend war, als eine wahre Geschichte gehört. Sie interessierte mich durch ihre echte reine primitive Menschengüte, die so selten durch unsere höhere Cultur gewinnt. Ob man gleich ähnliche hat, so habe ich sie hier doch nicht unterdrücken wollen. [↩]
Geschrieben von blogschrift in Gedacht, Gelesen | Keine Kommentare »
31.05.2010
Köhler mußte zurücktreten
Der Skandal sind doch Köhlers Äußerungen und die laue bis kaum vorhandene Reaktion der deutschen Öffentlichkeit. Hier nochmal der O-Ton von Köhler laut der Süddeutschen Zeitung:
Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen – negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.”
Mit anderen Worten: Kriege führen ist super, und das verstehen immer mehr Bundesbürger, denn es geht um unser aller Wohlstand, denn wir sind ein Exportland, das notfalls mit Waffengewalt seine Märkte verteidigen (oder erobern?) muß. Das klingt eben doch sehr stark nach dem alten Hegemonialdenken, nach den alten kolonialistischen Entschuldigungen für Einmärsche in Tsingtao oder dem damaligen “Deutsch-Südwest”.
Wie wäre es denn gewesen, wenn Herr Köhler mal nicht die Arbeit der Bundeswehr in höchsten Tönen gelobt hätte, sondern – zumal im Land der Dichter und Denker – die aufopferungsvoll an einer Goethe-Edition, an einer Hölderlin-Ausgabe oder einem Nachbarschaftsprojekt arbeitenden jungen Leute? Warum wird die oft jahre- oder sogar jahrzehntelange entbehrungsreiche Arbeit zum Beispiel an einer Schiller-Goethe-Briefedition nicht ebenso als Dienst am Vaterlande gepriesen? Immerhin bringt die auch etwas fass-, begreif- und nachlesbares zur Welt. Vom Bundeswehreinsatz bleiben unter Umständen nur ein paar ausgebrannte Tanklastzüge und eine Menge Feinde in einem Land fernab von Deutschland übrig.
Und was soll dieser Ton eines Bundespräsidenten, der einen “politischen Diskurs in der Gesellschaft” darüber verlangt, “wie es kommt, dass Respekt und Anerkennung zum Teil doch zu vermissen sind, obwohl die Soldaten so eine gute Arbeit machen”. Wie kommt man ein Bundespräsident dazu, Kritikern von Militäreinsätzen den Respekt und die Anerkennung für die Bundeswehr abzusprechen, nur weil sie den Militäreinsatz ablehnen?
Wenn ein Bundespräsident solche Äußerungen macht, muß er völlig zu recht seinen Hut nehmen.
Das komplette Interview mit dem Ex-Bundespräsidenten Köhler gibt es hier: Köhler: Mehr Respekt für deutsche Soldaten in Afghanistan.
Geschrieben von blogschrift in Gedacht, Gelesen | Keine Kommentare »
28.04.2010
Galiani, der schlaue Schlingel
Ach, was nutzt es, irgendwelche dumm daherschwadronierenden Ratgeber-Bücher zu lesen, was nutzen Psychotests, Lebenshilfen, Intreatment-Folgen, schlaue Freunde, Bücher, Bilder, Podcasts, Tweets, Status-Updates undsoweiterundsoweiter, halt der ganze Schmonzes, wenn man doch einen Ferdinando Galiani lesen kann, zum Beispiel seinen Brief vom 19. Januar 1771 an Madame d’Epinay:
Was war denn das für ein verteufelt dummer Einfall, sich von Ihrem Herrn Gemahl Kinder machen zu lassen! Wußten Sie denn nicht, daß Kinder ihrem Vater ähnlich werden? Sie sahen, daß Herr von Epinay ein Verschwender war; so hätten Sie also mit meinem Botschafter, dem Marquis de Castromonte, Kinder zeugen sollen; er war in Paris, als Sie Ihren Sohn empfingen, und er würde Ihre Familienangelegenheiten in Ordnung gebracht haben. Waren Sie jemals so rasend, an Rousseau und seinen Emile zu glauben? Zu glauben, daß Erziehung, Grundsätze, Reden irgend etwas zur inneren Einrichtung eines Kopfes beitragen? Wenn Sie daran glauben – bitte, so nehmen Sie doch mal einen Wolf her und machen Sie einen Hund daraus, wenn Sie können. Das Unverbesserliche ist also ein auf Berechnung beruhendes Übel; folglich darf man es nicht noch durch falsche Berechnungen vermehren. Es wäre grundfalsch und höchst gefährlich, wenn man glauben sollte, es ließe sich verbessern. Seien Sie fest überzeugt, es gibt kein Mittel dagegen, und Sie bekommen nur die Dosis notwendigen Übels; von Ihrer Seite hat der Wille gar nicht mitzusprechen. Aber das alles wissen Sie ja, und vielleicht haben Sie es schon getan. Übrigens bin ich ja niemals Mutter gewesen; Vater war ich vielleicht ein paarmal, und ich habe wohl gesehen, daß das nichts damit zu tun hat.
Das lese man alles und staune über einen der geistigen Vor- und Ur-Väter eines Arno Schmidts oder eines Wiglaf Droste. Und jeder denke für sich, wie großartig es doch ist, das da einer was vor so vielen Jahren geschrieben hat, was man heute noch gerne liest.
Geschrieben von blogschrift in Gedacht, Gelesen | 1 Kommentar »



