Archiv für die 'Gelesen' Kategorie

05.03.2010

Vergessene Pioniere: Paul Otlet

Ein schöner Artikel: As We May Recall: Four Forgotten Pioneers. Unter anderem handelt er über einen bemerkenswerten Mann, der uns schon in anderem Zusammenhang über den Weg lief: Paul Otlet (1868-1944). Und da wir hier ja einen kleinen Hang zur Heldenverehrung und zur Erinnerung an die abseitigen Geister der Weltgeschichte haben, sei der Dokumentarfilm über Paul Otlet und ein Blick auf sein Mundaneum empfohlen.
Otlet kann als eine Art geistiger Vater des Internets gelten, der nicht nur offen für neue Ideen und Technologien war, sondern mit seinem Mundaneum den ewigen (und: ewig scheiternden) Menschheitstraum einer kompletten und tatsächlich benutzbaren Weltbibliothek mit den zu seiner Zeit zur Verfügung stehenden Mitteln angegangen ist.

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24.02.2010

Käßmann trank Wasser statt Wein

Ja, das fanden wir dann doch sehr witzig, was die Titanic schreibt, nämlich:

Bischöfin Margot Käßmann, Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, ist von der Polizei mit 1,3 Promille am Steuer ihres Dienstwagens erwischt worden. Die nach Rotwein riechende Käßmann beteuerte allerdings, den ganzen Abend mit ihrem Freund Jesus nur aus einem Krug mit Wasser getrunken zu haben.

TITANIC über Käßmann betrunken am Steuer

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03.02.2010

Luciferase

Neues aus der Kategorie “Ach, denk mal an…”.

Aus lauter Frühlingsgefühlen (der Schnee schmilzt, das Licht ist langsam wieder ausreichend und zu allem Überfluß zwitschern die Vögel (die richtigen, nicht die Twitterer) so, als ob der Frühling schon vor der Tür steht) im “Neugierigen Gärtner” von Jürgen Dahl gelesen.
Jürgen Dahl, das war jener mutige und dazu noch gut schreibende Gärtner, der offenbar so gut wie alles in seinem Garten gekocht oder gebraten, auf jeden Fall gegessen hat, was nicht bei 3 auf den Bäumen oder eben einfach kein Baum war und eben auch im “Stinkegarten” (so ein Buchtitel) stehen konnte. Also Blätter, Blüten, Wurzeln und was es sonst noch so an Pflanzenteilen geben mag: alles rein in den Topf und abgebissen. Nun, steinalt ist er damit leider nicht geworden, aber er hat großartige, nachdenkliche und vor allem ruhige Bücher über das stille Glück des Gärtners und Pflanzenliebhabers geschrieben.

Und was lese ich da: der Stoff, der die Glühwürmchen zum Glühen bringt, heißt “Luciferase”. Wie schön, das so kleine Tierchen auch etwas vom Teufel in sich haben. Oder ist der Teufel gar nicht Luzifer? Liebe Bibelfeste, geht voran und leistet wenigstens einmal im Leben Aufklärung, die Kommentarfunktion ist geöffnet.

Und was hat Jürgen Dahl sonst noch so gesagt?

Wir hegen den Garten und der Garten hegt uns – aber was von weitem aussieht wie eine Idylle, ist in Wahrheit der verzweifelte Versuch, ein winziges Stück Erde aus dem großen Krieg gegen die Natur herauszuhalten. Nicht die Flucht ins kleine Glück also, sondern Widersetzlichkeit, Partisanentum.

Eben.

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03.02.2010

Schopenhauer über die Menschen und die Hunde

Denn, wie die meisten Menschen einerseits keinen Ueberfluß am Gelde haben, sondern knapp das Nothdürftige; so auch andrerseits nicht am Verstand. Sie haben dessen knapp so viel, wie zum Dienste ihres Willens, d.h. zur Betreibung ihres Erwerbs, ausreicht. Dies gethan, sind sie froh, maulaffen zu dürfen, oder sich an sinnlichen Genüssen, auch wohl an kindischen Spielen zu ergötzen, an Karten, an Würfeln, oder auch sie führen mit einander die plattesten Diskurse, oder sie putzen sich heraus und machen dann einander Bücklinge. Schon Derer, die einen ganz kleinen Überschuß intellektueller Kräfte haben, sind Wenige. Wie nun Die, welche einen kleinen Überschuß am Gelde haben, sich ein Plaisir machen; so machen auch diese sich ein intellektuelles Plaisir. Sie betreiben irgend ein liberales Studium, das nichts abwirft, oder eine Kunst, und sind überhaupt schon eines objektiven Interesses in irgend einer Art, fähig; daher man auch ein Mal mit ihnen konversiren kann. Mit den Andern hingegen ist es besser, sich ncht einzulassen: denn mit Ausnahme der Fälle, wo sie gemachte Erfahrungen erzählen, aus ihrem Fache etwas berichten, oder allenfalls etwas von einem Andern Gelerntes beibringen, wird was sie sagen nicht des Anhörens werth seyn; was man aber ihnen sagt, werden sie selten recht verstehn und fassen, auch wird es meistens ihren Ansichten zuwiderlaufen. Balthazar Gracian bezeichnet sie daher sehr treffend als hombres que no lo son, — Menschen, die keine sind. Für das Bedürfniß aufheiternder Unterhaltung und um der Einsamkeit die Oede zu benehmen, empfehle ich hingegen Hunde, an deren moralischen und intellektuellen Eigenschaften man fast allemal Freude und Befriedigung erleben wird.
Indessen wollen wir überall uns hüten, ungerecht zu werden. Wie mich oft die Klugheit und bisweilen wieder die Dummheit meines Hundes in Erstaunen gesetzt hat; nicht anders ist es mir mit dem Menschengeschlechte gegangen.

Schopenhauer, Arthur: Den Intellekt überhaupt und in jeder Beziehung betreffende Gedanken. In: Parerga und Paralipomena Zweiter Band, Werke Bd. V, S. 82.

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11.01.2010

Autos sind für die Doofen da. Oder: Goldene Busse.

Ein interessantes Interview mit dem Geographen Professor Heiner Monheim auf news.de: «Das Auto ist ein Armutsmodell». Ein Zitat daraus:

Es gibt Städte, die haben viel weniger Autoverkehr, meistens sind die Leute dort überdurchschnittlich klug und überdurchschnittlich reich. Das Auto ist ein Armutsmodell. New York hat ganz wenige Autos, Universitätsstädte haben wenige Autos. Das Ruhrgebiet hat viele Autos, das Saarland hat viele Autos. Je dümmer die Regionen sind, desto mehr Autobahnen und Autos. Das ist traurig, aber wahr, weil Beton das Hirn ziemlich vernebelt, und in den meisten politischen Gehirnen ist noch ganz viel Beton verarbeitet. Sie müssen warten, bis das Betonhirn ausgestorben ist, das ist die Tragik.

Und:

Wie sieht denn Ihre Vision aus?
Monheim: Wenn wir das ganze Geld nehmen, das wir zur Zeit ins Autosystem stecken, und neu verteilen für Fuß-, Fahrrad- und öffentlichen Verkehr: Dann können Sie vergoldete Busse und Bahnen mit Diamantnadeln vorne im Kühlergrill bezahlen, wo sie mit weißen livrierten Handschuhen begrüßt werden, und sie kriegen den Kaffee an den Platz gebracht.

Und:

Haben Sie Hoffnung, dass es [das vergoldete Publicar] was wird?
Monheim: Natürlich. Lassen Sie die Staus noch dreimal so lang werden, irgendwann macht es keinen Spaß mehr. In der Wirtschaft hört man immer, Innovation und Effizienz sind wichtig. Der Verkehr ist das Gegenteil. Wahrscheinlich kommt die Innovation aus der Wirtschaft: wenn die Bosse ein neues Geschäft wittern.

news.de: «Das Auto ist ein Armutsmodell»

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01.12.2009

Familienministerin Kristina Köhler hat in der FAZ wenig Spuren hinterlassen

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24.11.2009

Ach ja, Banken…

Einer eurer berühmten Vorgänger:

Erysichthon, Sohn des thessalischen Königs Triopas, hatte an einem heiligen, der Ceres gehörigen Hain gefrevelt, und während die Dryaden darum tanzten, eine der schönsten Eichen gefällt; die Nymphen baten die Göttin um Rache, und sie plagte ihn nun mit einem nicht zu stillenden Hunger: er verzehrte sein ganzes Vermögen, verkaufte seine Tochter Mestra als Sklavin, welche, eine Geliebte des Neptun, von diesem die Gabe erhielt, sich in verschiedene Gestalten verwandeln zu können, und so als Vogel, als Kuh, als Ross immer wieder zu ihm zurückkehrte, um sich von neuem verkaufen zu lassen; doch Alles dieses war dem entsetzlich Gestraften noch nicht genug, und er frass sich zuletzt Hände, Arme und Beine, so weit er dazu gelangen konnte, ab, und starb dann des elendesten Todes.

So stehts beim Vollmer. Und warum mir das im Zusammenhang mit Banken einfällt? Keine Ahnung. Wirklich nicht.

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18.11.2009

Man lese den Don über die schleichende Verrottachung

Dass wir es nicht besser können, haben wir hier des öfteren zum Besten gegeben. Deshalb lese man, ergeben wie wir, den Don, wie er über die Mittlebenskrise für Bessergestellte schreibt.

Und man staune über die schönen lebens- und meteorologisch-herbstlich gefärbten Beobachtungen und die schönen Bilderchen dazu.

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